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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3702 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Sonntag, 6. November 1864

Schlagwörter: Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahnprojekt, Splügenbahnprojekt

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Indem ich Ihnen die intreßanten Mittheilungen, welche Sie mir mit Ihrer verehrlichen Zuschrift von gestern haben zugehen laßen, bestens verdanke, stelle ich Ihnen hiemit den Brief v. Hrn. Pioda im Anschluße wieder zurük & beehre mich, auf den Inhalt Ihrer Zuschrift Folgendes zu erwidern.

Was vorab die Reise nach Bern be trifft, so werden Sie bereits auf teleg. Wege meine Erklärung erhalten haben, daß ich Ihrem Vorschlage beistimme, so angenehm mir die Ehre Ihrer Begleitung gewesen wäre. Ich finde die von Ihnen angeführten Rüksichten für entscheidend. Ich gedenke Freitag Nachmittag nach Bern zu reisen & am Samstag den HH. Bundesräthen meine Aufwarthung zu machen.|

Für das technische Gutachten ist die v. Ihnen erzielte Anordnung des Stoffes bezüglich der Tracirung des Linie gewiß von großem Werthe & ich fühle mich ver pflichtet, Ihre diesfällige kräftige Intervention, welche durchaus nöthig gewesen ist, zu verdanken. – Ich bin damit ganz einverstanden, daß man dem Wetlischen Bericht nicht ab warten soll, wenn dadurch das Er scheinen des technischen Gutachtens wieder verzögert würde. Letzteres erscheint mir sehr dringend. Vor zwei Tagen hat auch Hr. Della Rocca , eines der Mitglieder der italienischen Expertenkomm. Hrn. G. Pfyffer ge schrieben, daß die Commission, welche im Dezember ihren Bericht zu erstatten gedenke, mit Ungeduld unser technisches Gutachten gewärtige. 1|

Ich stimme des Fernern auch dem Vorschlage betreffend die Zahl der Examplare des technischen Gutachtens bei. In Beziehung auf die großen Pläne & Profile, wovon 100 Abdrüke genügen werden, muß ich bezüglich des Maßstabes noch um nähern Aufschluß bitten. Die großen Situations pläne sind bekanntlich im 1/10,000 lithographirt. Vor Kurzem meldete mir Hr. Koller , er habe von Hrn. Dir. Stoll den Entscheid erhalten, es sollen auch die Profile im Maßstab 2 v. 1/10,000 (Aufnahmsmaßstab odr Längenmaßstab des Originalplans) litho graphirt werden, was die Lithographie arbeit sehr vermehre. Da es nun in Ihrer verehrlichen Zuschrift heißt: «Pläne & Längenprofile im 1/20,000 = 100 Ex.» so bin ich im Ungewißen, ob die Profile mir seiner Zeit beim Wetlischen Projekte bezügl. der Längen im 1/20,000, oder 1/10,000 lithographirt werden sollen. –|

Betreffend endlich die Zahl der Pläne & Längenprofile im 1/100,00 (1000 Ex.), so erlaube ich mir, Ihnen & Hrn. Stoll noch einen unmaßgeblichen Gedanken zur geneigten Würdigung zu unterbreiten. Es 3 will mir scheinen, daß jedem Exemp lar des technischen Gutachtens doch wenigstens eine Uebersichtskarte zur Orientirung beigefügt werden sollte (wie dieß auch beim Bericht des Splügenkomite geschehen ist), indem das Gutachten ohne eine Uebersichtskarte in verschiedenen Punkten für den Nicht Ortskundigen schwer verständlich sein wird. Wenn es nun möglich wäre, den Situations plan im 1/100,000 (ohne Profile) in so großer Zahl druken zu laßen, daß er jedem Gutachten beigeheftet werden könnte, so wäre dieß meines Erachtens sehr gut. Vielleicht könnte dann selbst die Zahl der lithographirten Längenprofile| im 1/100,000 von 1000 Ex. auf 5 à 600 reduzirt werden, indem ich glaube, daß die Mehr zahl der Leser sich mehr um den Situations plan als die Profile intreßiren werden. Der Abdruk unsres Situationsplanes im 1/100,000 oder wenigstens des wichtigsten Theiles desselben (FlüelenBiasca) dürfte vielleicht nicht bedeutend mehr kosten & nicht mehr Zeit in Anspruch nehmen, als der Druk einer andern Ueber sichtskarte, zumal wenn man die Traçes schwarz einzeichnen würde. –

Dieß Alles natürlich nur als unmaß gebliche Anregung; sollte der Gedanke nicht wohl ausführbar erscheinen, so bin ich mit Ihrem Vorschlage einver standen & ermächtige Sie, vorläufig Hrn. Stoll die bezügliche Erklärung abzu geben. –

Außert von Ihnen habe ich bis dato| von Hrn. Burkhard-Sarasin die Annahmserklärung erhalten, der seiner Erklärung die Bemerkung bei fügte, er werde, so weit es in seinen Kräften & Kenntnißen liege, auf das Eifrigste für das Gedeihen unsres schönen Unternehmens Propaganda machen. –

Schließlich erlaube ich mir noch die Frage, ob es möglich & thunlich wäre, die 4 ständige Commission noch vor dem Zusammentritt der Bundesversammlung zusammenzuberufen? Sofern man sich hiezu entschließen sollte, wäre es wohl nothwendig, vor dem 20 d. eine Ausschußsitzung abzuhalten & die Traktanden vorzuberathen.

Genehmigen Sie, Hochverehrter Herr Präsident! bei diesem| Anlaße die erneute Versicherung ausgezeichnetster Hochachtung

v. Ihrem freundschaftlich ergebenen

J. Zingg.

Luzern d. 6. Nov. 1864.

Kommentareinträge

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3Nachträgliche Notiz von Eschers Hand mit Bleistift: «St.»

4Nachträgliche Notiz von Eschers Hand mit Bleistift: «NB» .