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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3695 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Dienstag, 18. Oktober 1864

Schlagwörter: Personelle Angelegenheiten, Presse (allgemein)

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Ich gebe mir die Ehre Ihnen hiemit von dem Ergebniß meiner Besprechung mit Hrn. Profeßor Dr. Cattaneo Bericht zu erstatten: Soviel ich wahrnehmen konnte, hat unsere Proposition den Hrn. Cattaneo – der beinebens bemerkt auf mich einen sehr guten Eindruk machte – angenehm berührt. Er erklärte sich auch sogleich bereit, sich über die Sachlage bei Jacini selbst & bei andern Freunden in Italien zu erkundigen, durch die Preße & durch Anstrebung v. Vereinigungen im Sinne im Sinne unserer Wünsche sich zu bethätigen;– jedoch könne er sich nicht entschließen, zu diesem Zweke seinen Aufenthalt bei Lugano zu verlaßen & sich für längere Zeit nach Italien zu begeben, um hier an verschiedenen | Orten durch persönliche Einwirkungen die Angelegenheit zu betreiben. Er müße deshalb wünschen, daß die zwei diesen letzteren Punkt betreffenden Stellen aus der Instruktion weggelaßen würden. Hr. Cattaneo führte zur Begründung hiefür namentlich an: 1. Seine Stellung in Lugano würde ihm eine längere Abwesenheit nicht wohl gestatten. Seine Freunde seien ihm hier mit außerordentlicher Liberalität entgegengekommen, welche delikate Rüksichten von seiner Seite erheischen; 2. Das Reisen sei seinen Neigungen zuwider, würde störend auf seine ruhigen, Familienverhältniße einwirken; 3. Er erachte übrigens für den fraglichen Zwek seinen Aufenthalt in Italien auch nicht für nothwendig, da er durch Vermittlung seiner vielen Freunde in den größern Städten Italiens sowohl | die erforderlichen Erkundigungen einziehen, als auch die Bethätigung der Sache auf brieflichem Wege anregen könne; 4tens er wäre endlich auch nicht der rechte Mann für persönliche Einwirkungen; er sei kein Mann der Praktik. Sollten persönliche Einwirkungen nöthig sein, so könnten diese durch Andere viel beßer besorgt werden. –

Ich habe wohl nicht nöthig, die Bemerkungen aufzuführen, durch welche ich diese Einwendungen zu widerlegen bemüht war; sie ergeben sich aus der Sache selbst. Hr. Cattaneo war indeßen nicht zu einem weitern Zugeständniß zu bewegen, als daß er einen gelegentlichen Besuch in Genua & Florenz in Aussicht stellte.

Ich würde nun hiemit die Versuche, Hrn. Cattaneo wenigstens für etwelche Wochen zur persönlichen Bethätigung unsrer Bestrebungen in Italien zu gewinnen, nicht aufgegeben haben, hätte mir nicht | Hr. Staatsrath Pioda, mit dem ich sodann zunächst wegen einem allfälligen Urlaub in Rüksprache trat, ernstliche Bedenken gegen die Sendung des Hrn. Cattaneo nach Italien äußerte. Hr. Pioda bemerkte mir ebenfalls, Hr. Cattaneo sei kein praktischer Mann; er könne uns durch schriftliche Darlegungen, durch Correspondenz mit seinen Freunden vortreffliche Dienste leisten; aber wenn er persönlich einwirken sollte, so dürfte er eher schaden. – Die Ertheilung eines Urlaubes selbst würde keine Schwierigkeiten darbieten. Das Letztere sicherte mir auch der Direktor des Erziehungswesens zu, mit dem ich ebenfalls eine Besprechung hatte. –

Ich gestehe, daß die Bedenken des Hrn. Pioda mich veranlaßten, bei einer nochmaligen Zusammenkunft mit Hrn. Cattaneo nicht mit derjenigen Insistenz auf die Annahme einer persönlichen Mißion | nach Italien zu dringen, als es sonst geschehen sein würde, zumal mir Hr. Cattaneo bereits von Persönlichkeiten sprach, die er in Genua & Anderwärts für die Sache engagiren könnte. Ich machte mich vielmehr allmählig mit dem Gedanken vertraut, daß – wenn man von Hrn. C. nicht gänzlich absehen wolle, das Geeignetste sein werde, demselben eine allgemeinere Instruktion zu ertheilen, mit der Vollmacht, andere Kräfte für die ummittelbare Bethätigung & persönliche Einwirkung in Anspruch zu nehmen; oder auch solche von Seite des Ausschußes ihm zur Verfügung zu stellen. –

Soviel zur vorläufigen Kenntniß der Sachlage. Weiteres hoffe ich Ihnen bei Anlaß der nächsten Sitzung des Ausschußes oder Commision, welche nun jedenfalls wird zusammentreten müßen, mittheilen | zu können. Ich weiß nicht, ob der Ausschuß schon eingeladen ist. Sollte dieß nicht der Fall sein & Ihnen eine Besammlung nicht nothwendig erscheinen, so bitte ich Sie gefälligst den Tag für den Zusammentritt der Commission bestimmen zu wollen. –

Inzwischen genehmigen Sie die Versicherung ausgezeichnetster Hochachtung

v. Ihrem freundschaftlich ergebenen

J. Zingg.

Luzern d. 18 8br 1864.

Kontexte