Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3685 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Dienstag, 27. September 1864

Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Eisenbahnen Bau und Technik, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahnprojekt

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Empfangen Sie meinen besten Dank für die geschätzten Mittheilungen, mit denen Sie mich durch Zuschrift vom 25. d. beehrt haben & welche mich lebhaft intreßirt haben Ich habe mit Vergnügen vernommen, daß die Mitglieder des Londoner-Comité eher einen günstigen Eindruk auf Sie gemacht haben & daß Sie Hoffnung hegen, Hrn. Landerer zu sofortiger Annahme des ständigen Commißariats in Italien zu bewegen. Ich hoffe, daß es Ihren vereinten Bemühungen auch gelingen wird, die schwierige Angelegenheit der Abordnungen zum Ziele zu bringen. Besonders angenehm war mir auch die Mittheilung, daß| Hrn. Gerwig's Sympathie für den Gotthardt nich zweifelhaft ist; ich gestehe, daß es mir in der letzten Zeit bereits schwer wurde, etwelches Mißtrauen fern zu halten. –

Ich bin mit Ihnen einverstanden, daß es nicht überflüßig sein dürfte, Hrn. Bekh das Programm bezüglich der nördlichen Anschlußlinien nochmals mitzutheilen. Ich habe mich in meiner letzten Antwort an denselben so kurz gefaßt, weil ich bei demselben die Kenntniß des Programms voraussetzte & in der That auch nicht begreifen konnte, wie dasselbe noch zu irgend einem Zweifel Raum geben sollte.

Hrn. Profeßor Cattaneo werde ich ohne Verzug in dem in Ihrer verehrlichen Zuschrift angedeuteten Sinne schreiben. Dabei wird indeßen meines Erachtens Hrn. Cattaneo freizustellen sein, ob er neben | der Brochure, welche aus den Artikeln des Diritto abgedrukt würde, eine populäre Darstellung der Frage noch ausarbeiten wollte. Wie ich nämlich durch den jungen Hrn. Widmer erfahren, hatte Hr. Cattaneo seine Arbeit vorige Woche bereits begonnen & es wäre möglich, daß die begonnene Arbeit für den Diritto sich nicht eignen würde. –

Hr.1 Veladini in Lugano wünscht laut Mittheilung von Hrn. Direktor Widmer die noch vorräthigen italienischen Exemplare des commerziellen Gutachtens oder einen Theil desselben auf dem Wege der Buchhandlung zu übernehmen. Da die Verbreitung des Gutachtens auf dem Wege der Buchhandlung mehrfach als eine ganz geeignete bezeichnet worden ist, so wird man wohl keinen Anstand nehmen, Hrn. Veladini wenigstens in Beziehung auf einen Theil der noch vorräthigen Examplare (ca 1000) zu entsprechen.| Es frägt sich, zu welchem Preise man dieselben (: sowie s. Z. die deutschen Exemplare der zweiten Auflage: ) in die Buchhandlung geben wolle. Nach meiner unmaßgeblichen Ansicht sollten wir die Exemplare zu einem ganz mäßigen Preis, vielleicht zu 40 à 50 cts der Buchhandlung überlaßen, so daß ein Exemplar in den Buchhandlungen in keinem Falle über 1 fs. zu stehen käme. Ich habe mich vorläufig in diesem Sinne Hrn. Widmer gegenüber geäußert. –

Von der Verlagshandlung des «Il Politecnico» in Mailand (: eine monatlich erscheinende Zeitschrift, in die meines Erinnerns Hr. Prof. Cattaneo auch öfter geschrieben hat:) wünscht etwa 2000 Exemplare der unserm commerziellen Gutachten beigefügten Karte zu erhalten, um sie der Nummer der Zeitschrift, in welcher das Gutachten besprochen| werden wird, beilegen zu können. Ich habe mich mit Hrn. Widmer dahin verständigt, diesfalls noch mit Hrn. Cattaneo in Rüksprache zu treten; im Allgemeinen scheint mir, es sollte dem Wunsche entsprochen werden, wenn der Druck der Karte nicht zu viel kostet, worüber sich 2 Hr. Widmer auch erkundigen wird. –

Die jüngsten politischen Ereigniße in Italien werden übrigens die Alpenbahnfrage daselbst ziemlich in den Hintergrund drängen, so daß es sich fragen dürfte, ob mit der weitern Verbreitung des Gutachtens oder allfälligen Publikationen nicht etwas zugewartet werden sollte. –

Ich 3 gedenke mich im Laufe dieser Woche mit dem Entwurfe zu dem Berichte an die ständige Commißion zu befaßen. Vor der definitiven Ausarbeitung desselben möchte ich mir aber noch gerne Ihren einsichtsvollen Rath erbitten. Wenn Sie etwa demnächst einem einmal eine| Stunde zur Verfügung hätten, wäre es mir sehr angenehm, die verschiedenen Punkte mit Ihnen durchsprechen zu können.

Genehmigen Sie inzwischen die Versicherung ausgezeichneter Hochachtung von

Ihrem freundschaftlich ergebenen

J. Zingg.

Luzern d. 27 7ber 1864.

P. S. Im Begriffe diesen Brief auf die Post zu senden, erhalte ich von Hrn. Bekh wieder einige Bogen des Gutachtens, die aber nicht einen Fortschritt, sondern eine Modifikation der dritten Abtheilung enthalten. Hr. Bekh bemerkt, daß die Kosten| einer Wahrscheinlichkeits Rechnung über die Kosten des Alpentunnels viel Mühe verursacht habe: Er erwarte nun auf nächsten Montag die zustimmende Erklärung des Herrn Gerwig auf seine letzte Berechnung.

Obiger.

Kommentareinträge

1Nachträgliche Notiz von Eschers Hand: «W» .

2Nachträgliche Notiz von Eschers Hand: «W» .

3Nachträgliche Notiz von Eschers Hand: «Z» .