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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3683 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Dienstag, 20. September 1864

Schlagwörter: Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Lukmanierbahnprojekt, Mont-Cenis-Bahn, Splügenbahnprojekt, Tunnelbau

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Im Anschluße übermache ich Ihnen ein mir soeben zugekommenes Schreiben des Hrn. Oberingenieur Bekh, das eine von Ihnen gestern gemachte Bemerkung allerdings zu bestätigen scheint. Damit keine Zeit verloren gehe, habe ich dem Hrn. Bekh sofort erwidert, daß meiner Ansicht bei der Combination, vom gemeinschaftlichen Knotenpunkte Goldau eine Linie nach Zug & eine solche nach Luzern zu erbauen, die möglichst direkten Linien nach diesen beiden Anschlußpunkten gesucht werden müßen. Es sei mir nicht bekannt, daß im Ausschuße Jemand die Ansicht hege, die | bestehende Bahn ZugHonauLuzern s. Z. aufzugeben, um einer Linie ZugImmenseeLuzern Platz zu machen. Ich würde übrigens diesfalls noch mit Ihnen in Rüksprache treten & ihm Hrn. Bekh) davon Kenntniß geben, wenn Sie anderer Meinung sein sollten. –

Die angekündigten paar Bogen des technischen Gutachtens habe ich erhalten. Sie besprechen die geologischen Verhältniße, die Bohrarbeiten im Mont-Cenis-Tunnel & die Elemente für die Kostenberechnung. Die Stellung von Hrn. Gerwig scheint einigermaßen auffallend zu werden. Er kommt wahrscheinlich mit der Begutachtung der zwei konkurrirenden Alpenpäße etwas in Schwierigkeiten. –

Heute ist der junge Hr. Widmer aus dem Teßin zurükgekehrt. Aus den mir| vorgelegten Verzeichnißen über die Expedition des Gutachtens, sowie aus seinen brieflichen & mündlichen Mittheilungen glaube ich entnehmen zu können, daß er seine Aufgabe sehr gut besorgt hat. – Im Teßin sei man voll Jubel über die Engländer, welche die Sillar'schen Bahnen übernommen hätten; sie sollen die großen Herrn spielen & den Champagner reichlich genießen. Sie beabsichtigen noch den Lukmanier & Splügen zu bereisen. –

Sie haben wohl die Güte, mir direkte oder durch Hrn. Bürgermeister Stehlin sobald als möglich von der definitiven Entschließung des Hrn. Landerer & von Ihren Vorschlägen für eine Ersatzwahl sofern eine solche nöthig werden sollte, Kenntniß zu geben. Das Splügenkomite soll schon seit einiger Zeit einen außerordentlich thätigen Vertreter seiner Intereßen auf dem Felde haben. In Mailand | sehe man an allen Straßeneken einen Bericht des Splügenkomite, sowie die Brochure v. Boccardo angekündigt. Durch Vermittlung unsers ständigen Vertreters oder der Buchhandlungen sollte wohl derselbe Weg bezüglich unsrer Berichten & Brochuren auch betreten werden. –

Genehmigen Sie bei diesem Anlaße die erneute Versicherung ausgezeichnetster Hochachtung

v. Ihrem freundschaftlich ergebenen

J. Zingg.

Luzern den 20 7ber 1864.