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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3677 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Freitag, 9. September 1864

Schlagwörter: Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahnprojekt

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Seit unsrer Besprechung in Zug ist mir v. Seite des Hrn. Cecovi die Anzeige zugegangen, daß die Abordnung des englischen Comité in London nächsten Montag in Luzern ankommen werde & auf Dienstag eine Besprechung mit unserm Comité gewünscht werde. Ich habe deraufhin Hrn. Bürgermeister Stehlin zu der Besprechung auf Montag. resp. Dienstag nach Luzern eingeladen, mit der Bemerkung, daß die auf Sonntag projektirte Sitzung der Commission für die Abordnungen anläßlich der Zusammenkunft in Luzern stattfinden dürfte. –

Hr. Bürgermeister Stehlin schreibt mir nun, daß er Montag, den 12. d. voraussichtlich schon Mittags 2 Uhr in Luzern eintreffen werde, daß er aber Dienstags um 1.15 wieder heimkehren müße. | Ich nehme mir nun die Freiheit Sie zu ersuchen, künftigen Montag Mittag auch in Luzern eintreffen zu wollen. Wir könnten dann Montag Nachmittag die Frage der Abordnungen besprechen & Dienstag Morgen mit den englischen Abgeordneten conferiren. Die Commißionssitzung in Olten würde dagegen dahinfallen. –

Die italienische Untersuchungskommißion, bestehend in zwei ältern Mitgliedern des Conseil des ponts et chaussées (Neapolitaner) & einem in Turin angestellten Belgier, und begleitet von zwei Herrn aus Mailand, ist Dienstags Mittag nach Besichtigung unsrer Pläne von Hier nach dem Gotthardt gereist. Ich offerirte den Herrn vorher noch ein Dejeuner à la fourchette im Schweizerhof, das angenommen wurde; hernach führten wir dieselben in mehrern Wagen über Küßnacht, Arth & Goldau nach Brunnen, von da mit freier | Fahrt auf dem Dampfboot nach Flüelen. In Altorf regalirten die Abgeordneten der Regierung v. Uri mit einigen Flaschen Champagner. Mitwoch Morgen reiste die Commission in Begleit derHH. Ing. Koller & Wetli, eines englischen Ingenieurs der Compagnie Sillar & eines St. Galler Ingenieurs, der die Commission noch auf die Südseite des Lukmaniers begleiten soll, beim schönsten Wetter über den Gotthardt. –

Ueber den Eindruk, den die Commission auf mich gemacht hat, werde ich Ihnen demnächst mündlich referiren & beschränke mich einsweilen auf die Bemerkung, daß die zwei Neapolitaner sehr zurükhaltend waren & ein nicht sehr eingehendes Intereße zu beurkunden schienen, daß dagegen der belgische Ingenieur den Eindruk machte, eine einläßliche & unbefangene Prüfung der Angelegenheit anzustreben. Von besonderm Intereße war mir die Mittheilung desselben, daß bis zur Abfaßung des Berichts der Commission wohl noch mehrere | Wochen verfließen werden. –

Indem ich Alles weitere auf die bevorstehende Zusammenkunft zu verschieben mir erlaube, verbleibe ich inzwischen in ausgezeichneter Hochachtung

Ihr freundschaftlich ergebener

J. Zingg.

Luzern den 9. 7b 1864.

In Beilage drei Zuschriften von Hrn. Stehlin, Depesche von Cecovi & ein Brief von Hrn. von [Dusch?] , worauf bei Versendung des technischen Gutachtens Bedacht zu nehmen ist. –