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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3635 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Donnerstag, 16. Juni 1864

Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahnprojekt, Mont-Cenis-Bahn

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Von einer zweitägigen Reise zurükgekehrt beeile ich mich Ihnen von zwei Mittheilungen Kenntniß zu geben, die mir inzwischen zugekommen sind, nämlich:

1. Von einem Auszuge aus einer Depesche des schweiz. Ministers in Turin, über eine Unterredung, welche er mit dem italienischen Bauminister betr. die Alpenbahnfrage gehabt hat;

2. von einem Briefe des Hrn. Ingenieur Koller, welcher glaubt, unsere Experten sollten um eine populäre Darstellung ihres Gutachtens ersucht werden & es wäre wünschbar, daß wenigstens einer derselben, Hr. Bekh an der Reise an den Mont-Cenis Theil nehme. –|

In finde in jener Mittheilung des schweiz. Gesandten eine Bestätigung der Ansicht, daß eine möglichste Beförderung des technischen Gutachtens, resp. der endlichen Feststellung des Gotthardtprojektes gerathen ist. Damit keine Zeit verloren gehe, habe ich mir daher auch erlaubt, auf das Schreiben des Hrn. Ing. Koller sofort zu erwidern, daß die Art & Weise, wie den technischen Experten eine Modifikation ihres Gutachtens eingänglich gemacht werden solle, der bestellten Commission anheimgestellt sein dürfe. Die Hauptsache sei, daß wir recht bald in den Besitz eines tech. Gutachtens gelangen, das auf der Höhe seiner Aufgabe stehe & veröffentlicht werden dürfe. Wenn die Anregung einer etwas populären Darstellung nach der Ansicht der Comm. die Sache befördern könne, so sehe ich nicht ein, warum| man davon nicht Gebrauch machen sollte.

In Beziehung auf die Reise des Hrn. Bekh an den Mont-Cenis glaubte ich bemerken zu sollen, daß dieselbe schon letzten Herbst gewünscht worden sei & daß nach meiner Ansicht die Commission im Sinne des Ausschußes handle, wenn sie den Hrn. Experten gegenüber jenen Wunsch wieder ausdrüke. –

Sollten Sie allfällig über den einten oder andern der vorbesprochenen Punkte abweichender Ansicht sein, so würde es mir angenehm sein, bald davon in Kenntniß gesetzt zu werden. Was an mir liegt, werde ich zur Beförderung der Sache thun. – .

Genehmigen Sie bei diesem Anlaße die erneute Versicherung ausgezeichneter Hochachtung von Ihrem

freundschaftl. ergebenen

J. Zingg.

Luzern d. 16. Juni 1864.