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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3634 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Montag, 13. Juni 1864

Schlagwörter: Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Familiäres und Persönliches, Personelle Angelegenheiten

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Indem ich Ihnen Ihre geschätzten Zeilen v. 12. d. bestens verdanke, beehre ich mich Ihnen darauf zu erwidern, daß ich in Folge Ihrer Mittheilungen die HHr. Direktor Schmidlin & Ing. Koller, welche schon früher um baldige Ausführung ihrer Mißion ersucht worden waren, nochmals auf das dringendste einge laden habe, sich beförderlich mit unsern technischen Experten in's Einverständniß zu setzen & ihr Möglichstes zu thun, daß wir bald in den Besitz eines ent sprechenden Gutachtens gelangen. Ich habe sodann Hrn. Direktor Schmidlin | auch von der durch Hrn. Pioda er folgten Empfehlung des italienischen Ingenieurs Tarducci Kenntniß ge geben, mit dem Bemerken, daß es zwekmäßig sein dürfte, wenn die bestellte Commission – vielleicht im Einverständniß mit unsern deutschen Experten – diesen italienischen Fach mann nachträglich noch zur Mitwirkung beiziehen würde. – Sollte es nöthig oder wünschbar erscheinen, denselben v. Seite des Ausschußes oder deßen Vorstand direkte zur Mitwirkung einzu laden, so wäre ich jederzeit dazu bereit. –

Hr. Direktor Stoll hat mir jüngsthin bemerkt, daß es ihm doch erwünscht ge wesen wäre, wenn das commercielle| Gutachten, bevor es der Oeffentlichkeit übergeben wird, noch von einem oder zwei Mitgliedern des Ausschußes durch gesehen worden wäre. Ich bin nun aber meinerseits vollständig überzeugt, daß die aus der Hand des Hrn. Direktor Stoll hervorgehende Arbeit keiner weitern Durchsicht bedarf. Wenn man indeßen seinem Wunsche Rechnung tragen wollte, so wüßte ich nicht, wie es auf beßere Weise geschehen könnte, als wenn Sie, verehrtester Hr. Präsident, sich noch mit einer Durchgehung des Briefes bemühen wollten. –

Mit tiefstem Bedauern erhalte ich die Nachricht von dem sich verschlimmernden Befinden Ihrer verehrten Frau Ge mahlin. Möge Ihre Besorgniß um die | liebe Kranke die Gefahr größer erscheinen laßen, als sie in Wirklichkeit ist! – Auch Hrn. Dula hat dieser Tage wieder ein schwerer Schlag getroffen, indem vorgestern auch sein jüngerer Sohn gestorben ist. Es bemüht mich außerordentlich, meine verehrtesten Freunde von so schweren Schiksalsschlägen bedacht oder getroffen zu sehen.

Mit freundschaftlicher Begrüßung verbleibe in ausgezeichneter Hochachtung

Ihr stets ergebener

J. Zingg.

Luzern d. 13 Juni 1864.