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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3633 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Alfred Escher an Josef Zingg, Zürich, Samstag, 18. Juni 1864

Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Familiäres und Persönliches, Gotthardbahnprojekt, Lukmanierbahnprojekt

Briefe

Zürich 18 Juni 1864.

Hochgeachteter Herr Regierungsrath!

Indem ich Ihnen Ihre beiden verehrlichen Zuschriften vom 13. & 16. , mit deren Inhalt ich ganz einig gehe, bestens verdanke, beeile ich mich, Ihnen beiliegend einen Bericht des H. Nationalrath Peyer im Hof über die Eindrücke, welche er auf einer Reise in Ober Italien in Betreff der Alpenbahnfrage empfangen, zu übermitteln. Derselbe wird Sie zweifelsohne sehr interessiren. Es ist das technische Gutachten & immer wieder das technische Gutachten, das vermißt wird! In dieser Beziehung muß es vorwärts gehen. Ich glaube, Sie dürfen der Commission keine Ruhe lassen. | Es wäre ungemein wichtig zu erfahren, welches das Ergebniß der Expertise der HHerren Gerwig & Klein betreffend den Lucmanier ist. Man spricht immer von vollendeten Plänen über den Lucmanier; es wurde aber doch, da das Tracé bisanhin auch von den Parteigängern des Lucmanier durchaus nicht als festgestellt betrachtet wurde, die eben erwähnte Expertise noch nothwendig befunden. Dieselbe ist meines Wissens in der letzten Zeit vorgenommen worden. Zu welchem Ergebnisse hat sie geführt? Das wissen wir nicht, sollten es aber wissen & könnten es wissen! Herr Oberbaurath Gerwig würde uns, da er | ja mit unserm Vorwissen, ja mit unserer Zustimmung jene Expertise übernommen, gewiß ohne Schwierigkeiten zu erheben Auskunft ertheilen. Wäre ich nicht durch den Gesundheitszustand meiner Frau mehr als gewöhnlich hier stabilisirt, so würde ich meine Dienste anbieten. Vielleicht würden Sie sich zu entschließen die Güte haben, Hrn. Gerwig ein Rendez Vous in Basel oder Freiburg vorzuschlagen. Es will mir nämlich scheinen, es sollte durchaus mündlich mit Herrn Gerwig verhandelt werden. Ich mache Sie auf diesen Punct aufmerksam. Gewiß wäre es von der höchsten Wichtigkeit, zu erfahren, ob H. Gerwig mit Herrn Klein | bei dem Kostenvoranschlage von 146 Mill. Frkn. für den Lucmanier bleibt.

Für heute nur noch soviel, daß ich Fürsorge getroffen habe, daß Ihnen das commerzielle Gutachten Bogen für Bogen übermittelt werde.

Herzlichen Dank für Ihre freundliche Theilnahme an dem Gesundheitszustande meiner Frau. Sie hat, einem unwiderstehlichen Drange nach Veränderung der Luft, Umgebung u. s. w. folgend, am Mitwoch ihren Wohnsitz nach Baden verlegt, ohne die dortigen Bäder zu gebrauchen. Es geht ihr seither eher etwas besser.

In ausgezeichneter Hochachtung

Ihr freundschaftlich ergebener

Dr A Escher