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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3613 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Freitag, 25. März 1864

Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Bundesrat, Krankheiten, Presse (allgemein), Schweizerische Kreditanstalt (SKA)

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Sie werden wohl bereits durch die öffentlichen Blätter erfahren haben, daß unser Freund Hr. RR. Dula seit einigen Tagen schwer krank darniederliegt. Die Aerzte differiren noch, ob die Krankheit sich zu einem heftigen Nervenfieber oder zu einer Lungenentzündung mit nervösen Symptomen ausbilden wird. Jedenfalls gibt der Zustand desselben zu ernstlichen Besorgnißen Anlaß. Das heutige Befinden war zwar etwas beruhigender & die Aerzte gestatteten ihm daher meinen Besuch, den er wiederholt gewünscht hatte. Ich brauche Ihnen wohl nicht | zu sagen, daß dieser Krankheitsfall mich wie andere Freunde des Hrn Dula in hohem Grade bemüht. Hoffen wir, daß seine zähe Natur schließlich den Sieg davontrage. –

Der Entscheid des Bundesrathes in der Alpenbahnfrage läßt etwas lange auf sich warten. Wie ich vernehme liegt der Grund der Verschiebung in Abwesenheit oder Unwohlsein von Mitgliedern des Bundesrathes; die Behandlung der Angelegenheit soll nun auf Morgen angesetzt sein. Es wird Ihnen ohne Zweifel schon bekannt sein, daß voraussichtlich die Ansicht des Hrn. Dubs die Mehrheit erhalten wird. Durch einen etwas rükhaltenden Entscheid | mag allerdings einsweilen ein drohender Sturm abgewendet werden; ob aber damit das hohe Intereße der Eidgenoßenschaft an einer entsprechenden Lösung der Alpenbahnfrage hinlänglich gewahrt wird, wage ich nicht zu beurtheilen. –

Ich schulde Ihnen noch meinen besten Dank für die freundliche Zusendung des Jahresberichts der Creditanstalt, den ich mit großem Intereße gelesen habe. Nach meiner Ansicht sollte er Jedermann überzeugen, daß der Stand der Anstalt nichts weniger als beunruhigend ist & gerade in der entschiedenen Kundgebung gegen zu weitgehende Spekulation in Werthpapieren die beste Gewähr für ein ferneres | blühendes Gedeihen des Institutes liegt. –

Unter Erneuerung der Versicherung ausgezeichneter Hochachtung verbleibe

Ihr freundschaftl. ergebener

J. Zingg.

Luzern d. 25 März 1864.

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