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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3604 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Sonntag, 28. Februar 1864

Schlagwörter: Gotthardbahnprojekt, Grosser Rat ZG, Regierungsrat LU, Schweizerische Nordostbahn (NOB), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Indem ich Ihre verehrliche Zuschrift vom 24 fl. Mt's bestens verdanke, erlaube ich mir mit Gegenwärtigem über einen nicht die Gotthardtbahn betreffenden Gegenstand mit Ihnen in Rüksprache zu treten.

Der Große Rath des Kantons Zug hat vor einigen Tagen einen Beschluß gefaßt, der wie mir scheint auch der schweiz. Nordostbahngesellschaft, be ziehungsweise der Eisenbahnunter nehmung ZürichZug-Luzern nicht ganz gleichgültig sein kann.

Nach längern Verhandlungen be treffend den Bau einer Straße von | Risch gegen Küßnacht & hinwieder von Küßnacht Meyerskappel vor bei nach Rothkreuz vereinigten sich die Abgeordneten v. Schwyz, Zug & Luzern in einer Conferenz vom 14. März vor. Jahres zur Ausführung dieser Straßenprojekte bis im Juni 1864.

In Folge dieser Vereinbarung, deren allseitige Annahme nicht zweifelhaft schien, hat die luz. Gemeinde Meyers kappel schon letztes Jahr das ihr zukommende Zwischenstük ausgeführt; in diesem Winter nahm sodann auch Schwyz, resp. der Bezirk Küßnacht die Streke v. Küßnacht bis Meyers kappel in Angriff. Während man nun erwartete, es werde dem nächst auch Zug die Ausführung der | Streke v. Meyerskappel bis zur Ein mündung in die Straße v. Rothkreuz Buonas beginnen, hat kürzlich der Große Rath v. Zug bei der Budget berathung beschloßen, die fragliche Straße noch nicht zu bauen. Damit wird nun einer Verbindungslinie, die eine bedeutende Zukunft hat, das Leben abgeschnitten, der direkte Ver kehr v. der Eisenbahnstation Roth kreuz nach Küßnacht & Art eins weilen verunmöglicht!

In diesem Stadium wird man nun aber die Angelegenheit nicht bleiben laßen können. Eine größtentheils gebaute, auf den Verkehr mit der Eisenbahn berechnete Straße eine Viertel- oder halbe Stunde vor der Eisenbahnstation in den Sand oder | in ein Riedstük ausmünden zu laßen, wäre doch ein zu sonderbares Schaustük.

Es entsteht die Frage, auf welche Weise Zug am ehesten dahin gebracht werden könne, wieder in ein anderes Geleise einzulenken. Es wäre mir sehr angenehm, von Ihnen zu ver nehmen, ob Sie es für zwekmäßig erachten würden, wenn von Seite der Nordostbahn & der Regierungen v. Luzern & Schwyz gemeinsam bei Zug Schritte gethan würden, in welchem Falle wohl eine Con ferenzverhandlung vorauszu gehen hätte; – oder ob man vielleicht eher zum Ziele gelangen würde, wenn von den Betheiligten in privater Weise bei den | Mitgliedern der Regierung von Zug einzuwirken versucht würden. Vorläufig habe ich Hrn. Oberst Müller in Zug geschrieben, der meines Wißen für das Projekt günstig gestimmt ist; ich bin aber noch ohne Antwort. –

Aus Bern habe ich seit meinem letzten Briefe keine weitern Nachrichten erhalten. Hr. Bundesrath Knüsel hat mir mitgetheilt, daß sich Hr. Pioda in letzter Zeit auch ihm gegen über sehr bestimmt für den Gott hardt ausgesprochen habe.

Trotz des Mißtrauens des Hrn Cecowi glaube ich, daß wir in dieser Be ziehung beruhigt sein dürfen. Jeden falls ist, wie Sie in Ihrem verehrlichen Schreiben v. 24 d. bemerken, die | zuverläßige Berichterstattung über den Stand der Sache in Italien schon von großem Werthe. Ich werde Ihnen für die Mittheilungen , welche Sie mir zuzuwenden die Güte haben werden, sehr ver bunden sein; ich bedaure nur, daß ich Ihnen die Mühe Ihrer vielen Correspondenzen noch vermehren muß.

Mit der Bitte um freundl. Empfehlung an Ihre verehrte Familie & mit dem herzlichen Wunsche, daß eine mildere Frühlingsluft die Gesundheit Ihrer Gemahlin wieder stärken möge, verbleibe in ausgezeichneter Hochachtung.

Ihr freundschftl. ergebener

J. Zingg.

Luzern d. 28 Feb. 1864.|

B. Mit etwelcher Verwunderung betrachten wir hier die Panique, welche die dortigen Besitzer von Creditaktien ergriffen zu haben scheint. Bei dem Vertrauen, das ich in die treffliche Leitung des Institut's setze, ist mir & Hrn. Hunkeler die Sache fast unerklärlich. –