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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3588 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Freitag, 5. Februar 1864

Schlagwörter: Bittbriefe (diverse), Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Grosser Rat BE, Personelle Angelegenheiten, Presse (allgemein), Schweizerische Ost-West-Bahn (OWB)

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Auf der Rükfahrt von Olten habe ich gestern Abend mit unsern Collegen aus der innern Schweiz noch die Frage betreffend Bezeichnung von Persönlichkeiten für die bevorstehenden Mißionen besprochen. Dieselben äußerten übereinstimmend die Ansicht, es wäre von ganz außerordentlichem Werthe, wenn Sie, hochverehrter Herr Präsident, die Mißion nach Turin übernehmen könnten. Die Entscheidung in Turin ist von der eminentesten Wichtigkeit & wenn irgend Jemand, so wären Sie im Falle, die vorhandenen Schwierigkeiten zu überwinden. Ich brauche wohl kaum beizufügen, daß ich diese Ansicht vollkommen theile & daß es mich unendlich freuen würde, wenn Ihnen das Befinden Ihrer verehrten Frau Gemahlin die Uebernahme der Mission gestatten würden. –|

Sofern Sie die Mißion nicht sollten übernehmen können, so wird es mir wegen ungenügender Kenntniß der Persönlichkeiten schwer, Namen zu nennen. Ich dachte an die HH. Bürgermeister Stehlin (vielleicht in Verbindung mit Hrn. Landammann C. E. Müller) & Peyer im Hof.

Hr. Direktor Widmer hat mich wiederholt ersucht, auf künftige Ausschußsitzung ja unsern Staats schreiber mitzubringen, indem er außerordentlich beschäftigt sei &, wenn in der Sache mehr gethan werden müße als bisanhin, er neben seinen Ge schäften, welchen er vorab seine Thätigkeit zu widmen habe, unmöglich die nöthige Zeit finden werde. Ich bemerkte Hrn. Widmer, daß unser Staatsschreiber in Genua weile, sein Stellvertreter, welcher neben der Staatskanzlei noch dem Archiv vorstehen müße, unmöglich in Anspruch genommen werden könne & daß wir unsern Generalsekretär jetzt gar nicht entbehren können. Hr. Widmer wird Ihnen wahrscheinlich sein Anliegen auch noch vorbringen. –|

In Beziehung auf die Uebersetzung des Gutachtens unsrer Experten erlaube ich mir Sie anzufragen, ob vielleicht eine geeignete Persönlichkeit in dort mit der Arbeit betraut werden könnte? Das frühere Gotthardtkomite hat ähnliche Arbeiten, wie ich glaube in Basel besorgen laßen. Durch wen dieß geschehen, könnte wahrscheinlich Hr. Koller mittheilen. – Es will mir auch scheinen, es wäre zwekmäßig, durch Hrn. Oberingenieur Bekh sofort noch eine zweite Copie des Gut achtens besorgen zu laßen, damit der Ueber setzer seine Arbeit beginnen kann, während das Original noch in Handen der Commissionen oder des Ausschußes liegt. –

Wenn die Zeitungen richtig referiren, so sind hoch stehende Persönlichkeiten im Großen Rathe von Bern wegen des Unglüks der Ostwestbahn noch immer böse auf Luzern zu sprechen. Die Luzerner müßen «mürbe» gemacht werden, soll Hr. Stämpfli gesagt haben. Ich zweifle daran, daß derartige | Aeußerungen in Luzern den erwarteten Ein druk machen werden. Wir sich glüklicherweise nicht in der Lage, in welche sich andere Kantone durch übergroße Eisenbahnhast hineingerannt haben. Ich glaube, daß bei der großen Mehr heit der Bevölkerung das Gefühl vorherrscht, daß wir mit der Entlebucherbahn noch ganz gut etwas warten können.

Genehmigen Sie bei diesem Anlaße die er neute Versicherung ausgezeichneter Hochachtung von Ihrem

freundschaftlich ergebenen

J. Zingg.

Luzern d. 5 Hornung 1864.

B. Sende Ihnen gleichzeitig einen Abdruk des ersten Blattes der lithographirten Situations pläne. Es sollen bereits sämmtliche Blätter lithographirt sein.