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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3583 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Sonntag, 17. Januar 1864

Schlagwörter: Brennerbahn, Bundesrat, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Eisenbahnstrecken Konzessionen, Expropriationen, Gotthardbahnprojekt, Kantonsrat SO

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Ich gebe mir die Ehre, Ihnen in Beilage ein Schreiben zu übermachen, das ich soeben von Hrn. Oberingenieur Bekh in Stuttgart erhalten habe & aus dem Sie ohne Zweifel gerne entnehmen werden, daß das Gutachten der technischen Experten nun bald in die Hände des Ausschußes gelangen wird. Daß Hr. Oberingenieur Preßel wie es scheint gänzlich verhindert worden ist, an der Expertise irgend welchen Antheil zu nehmen, bedaure ich sehr, indem seine Erfahrungen an der Brennerbahn seinem Urtheile einen besondern Werth verschafft hätten. –

Hrn. Ingenieur Giger habe ich den ihm noch zukommenden Rechnungssaldo für seine Arbeiten | in Voruntersache für die Gotthardtbahn übermacht. –

Aus Lugano schreibt mir Hr. Wetli unterm 15 dieß, daß die dortige Eisenbahnangelegenheit so weit vorgeschritten sei, daß für die ersten 10 Kilom. auf den 16. oder 18. d. der ungefähre Werth der Expropriation bei der Regierung deponirt werde. Zugleich werden für die Ausführung dieser Streke mit Unternehmern definitive Verträge abgeschloßen. Er bemerkt mir sodann, daß, da in der Conceßion gesagt ist, die Gesellschaft habe sich nach sechs Monaten über die erforderlichen Mittel zur Fortsetzung des Unternehmens auszuweisen, man nicht recht im Klaren sei, ob nach Ablauf dieser Frist dem Bundesrath unaufgefordert Vorlagen zu machen seien, oder ob dieß erst nach erfolgter Aufforderung zu geschehen habe. – Nach meiner unmaßgeblichen Ansicht obliegt der Gesellschaft die Pflicht des Capitalausweises, ohne daß nothwendig eine Aufforderung des Bundesrathes vorhergehen muß. – |

Unser Herr Staatsschreiber Dr. Willi, welcher sich zum Zweke der Liquiditation der Verlaßenschaft seines verstorbenen Schwiegervaters (Robertson) in Genua aufhält & wahrscheinlich daselbst noch einige Zeit bleiben wird, hat mir mitgetheilt, daß er es sich angelegen sein laßen würde, allfällige Aufträge, mit denen ihn das Gotthardtkomite in Gotthardtbahnsachen beehren würde, bestmöglich zu besorgen. Er glaubt in der Lage zu sein, etwas zu Gunsten unsrer Bestrebung wirken zu können, indem es sehr häufig mit dem Syndic v. Genua, der mit Hrn. Robertson befreundet gewesen sei, zusammentreffe & auch mit Hrn. Grattoni in Turin bekannt sei. Ich sehe nicht recht ein, welche Aufträge dermalen dem Hrn. Staatsschreiber gegeben werden könnten. Sollten Sie es für geeignet erachten, durch denselben irgendwelche Erkundigungen einzuziehen oder Aufschlüße ertheilen zu laßen, so bin ich natürlich gerne bereit, ihn davon in Kenntniß zu setzen. –

Diese Woche wird wahrscheinlich auch im Kantonsrathe | von Solothurn über die Gotthardtkonvention verhandelt werden. Hr. Bankdirektor Kaiser macht der Sache Opposition; Hr. Landammann Vigier, dem ich verschiedenes Material zur Verfügung gestellt –, versicherte mich indeßen, daß die Genehmigung nicht zweifelhalft sei.-

Genehmigen Sie, hochgeachteter Herr Präsident! bei diesem Anlaße die erneute Versicherung ausgezeichneter Hochachtung von Ihrem

freundschaftlich ergebenen

J. Zingg.

Luzern d. 17. Jänner 1864.

B. Meinen letzten Brief, womit ich Ihnen ein Schreiben Cecovis nebst dem Prospektus der in London in Gründung begriffenen Gesellschaft für die teßinischen Eisenbahnen übermacht habe, werden Sie wohl erhalten haben.

Kommentareinträge

Nachträgliche Notiz oben links auf Seite 1 von dritter Hand mit Bleistift: «17. Januar 1864» .

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