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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3572 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Alfred Escher an Josef Zingg, Bern, Montag, 20. Juli 1863

Schlagwörter: Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Gotthardbahnkonferenzen, Gotthardbahnprojekt

Briefe

Hochgeachteter Herr Regierungsrath!

In Erwiederung Ihrer geschätzten Zuschrift v. 19 dß. beehre ich mich, Ihnen beiliegend den Entwurf zu dem Kreisschreiben an die betheiligten Cantone & Eisenbahngesellschaften, welchen Sie mir zu übersenden die Güte hatten, wieder zuzusenden. Ich glaubte am meisten in Übereinstimmung mit Ihrer Anschauungsweise zu handeln, wenn ich die Modificationen an dem Entwurfe, die mir nothwendig scheinen, sogleich in derselben eintrage. Natürlich bleibt die endliche Entschliessung Ihrem Ermessen unbedingt anheim gegeben. In Betreff der von mir vorgeschlagenen Modificationen habe ich lediglich zu bemerken, daß die Stellen des Entwurfes, welche auf den Lucmanier & den Simplon Bezug geben, wenn sie in uneingeweihte Kreise gelangen würden, leicht mißdeutet werden könnten. Es kann ja ihr Inhalt im Schooße der Conferenz mündlich nahgebracht werden.

Den Zeitpunct der Conferenz anlangend könnte | ich mich auf die Woche v. 2/8 & v. 16/22 August einrichten. Die erstere Woche wäre mir die erwünschtere & ich glaube überhaupt, es sollte die Angelegenheit nicht allzusehr auf die lange Bank geschoben werden.

Von Conferenzvorlagen sollte nach meiner An sicht noch nicht gesprochen werden. Wenn Pläne vorhan den sind, die man glaubt, bereits vorlegen zu kön nen, so bleibt dieß ja unbenommen. Anderweitige Vorlagen scheinen mir in dem gegenwärtige[m?] Sta dium der Angelegenheit nicht angezeigt. Die Conferenz kann ja von sich aus die erforderlichen Maaßregeln ergreifen, welche sie in den Stand setzt diejenigen organisatorischen Schlußnahmen zu fas- sen, von denen bei einem ersten Zusammentritt der Conferenz allenfalls die Rede sein kann. – Auch dieß selbstverständlich als eine ganz unmaaßgeb liche Ansicht!– Sollten Sie übrigens über diesen oder über andere Puncte mündlich mit mir Rücksprache zu nehmen wünschen, so stehe ich mit Vergnügen zu Diensten.

In Betreff der zwei Luzerner Ingenieure Bu singer & Felder kann ich Ihnen von mir aus gün stige Auskunft ertheilen. Vielleicht könnte man wünschen, daß Businger etwas mehr Thätigkeit & | Arbeitszähigkeit an den Tag lege.

Wohl brauche ich Ihnen nicht noch zu sagen, daß ich von dem Inhalte unserer gegenwärtigen Correpondenz niemandem auch nur die leiseste Mittheilung mache. Hr Hunkeler sitzt, während ich dieß schreibe, unmittelbar hinter mir. Ich habe aber auch gegen ihn durchaus nichts verlauten lassen.

Stets mit Vergnügen zu Ihren Diensten bereit, benutze ich diese Gelegenheit, Sie wiederholt meiner ausgezeichneten Hochachtung zu versichern.

Ihr

Dr A Escher

Bern
20 Juli 1863.

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Nachträgliche Notiz oben rechts auf Seite 1 von dritter Hand mit Bleistift: «20. Juli 63.»