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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3558 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Freitag, 9. Oktober 1863

Schlagwörter: Gotthardbahnkonferenzen, Gotthardbahnprojekt, Mont-Cenis-Bahn, Presse (allgemein)

Briefe

JZ

Hochgeachteter Herr Präsident!

In Beilage sende Ihnen hiemit den Brief v. Hrn. RR. Schenk, welchen Sie mir mitzutheilen die Freundlichkeit hatten, wieder zurük. Im hiesigen Tagblatte sind gestern die Conferenzbeschlüße getreu mitgetheilt worden. Die Publikation erfolgte zwar nicht ganz genau in der von mir mündlich bezeichneten Weise, immerhin aber in möglichst wenig auffallender Form. Mit dem Redaktor des Blattes habe ich die ganze Angelegenheit so erörtert, daß ich glaube, es werde von dieser Seite her bei künftigen Publikationen in Gotthardtbahnsachen| mit aller Sorgsamkeit verfahren werden; der «Eidgenoße» wird vermuthlich nicht sobald wieder in den Fall kommen, eine voreilige Mittheilung zu bringen.

Im Anschluße übermache Ihnen ferner zwei mir zugekommene Schreiben, das eine von Hrn. Cecovi, der genauere Mittheilungen über die jüngsten Conferenzverhandlungen wünscht, das andere v. einem Hrn. v. Loeben in Dresden, welcher um Notizen über die Gotthardtlinie & das Resultat der neuesten Studien von Hrn. Wetli nachsucht. Ich wollte auf die beiden Schreiben nicht antworten, ohne Ihnen davon Kenntniß gegeben & mich mit Ihnen darüber verständigt zu haben, wie weit den beiden Ansuchen zu entsprechen geeignet sein dürfte. –|

Von Hrn. Oberingenieur Pressel sind mir noch keine Mittheilungen zugegangen. Hr. Wetli hat – wegen Abwesenheit – meine Depesche v. Dienstag Abend zu spät erhalten, um sich den HH. Bekh & Müller in Amsteg anschließen zu können; ich gab denselben davon pr. Tel. Kenntniß. – Von Turin ist in Betreff der Mont-Cenis-Pläne noch keine Antwort erfolgt, ich erwarte aber die nächsten Tage Bericht. –

Ich glaube Ihnen auch nicht verhehlen zu sollen, daß Hr. Ing. Koller in Basel durch mein Begehren um Hersendung aller Pläne, die ihn in den Copiearbeiten störte, vielleicht aber noch mehr durch einige Vorgänge der letzten Zeit etwas mißmuthig geworden ist, so daß er um Entlaßung von den ihm ertheilten Aufträgen nachsuchte & bemerkte, daß| man die Arbeiten beßer Jemandem in Zürich übertragen dürfte. Ich gieng natürlich auf dieses im Unmuth geschriebene Begehren nicht ein & bemühte mich, die Empfindlichkeit etwas zu mildern.

Genehmigen Sie bei diesem Anlaße die erneute Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung & freundschaftl. Ergebenheit

J. Zingg.

Luzern d. 9 8b 63.