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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3555 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Donnerstag, 22. Oktober 1863

Schlagwörter: Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahnprojekt, Mont-Cenis-Bahn, Personelle Angelegenheiten, Tunnelbau

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Soeben erhalte ich von Hrn. Oberbaurath Gerwig in Karlsruhe die Erklärung, daß er die Einladung zur Theilnahme an der Expertise betr. das Gotthardtbahnprojekt dankbar & mit Freuden annehme; jedoch könne er nicht in den nächsten Tagen abkommen, da er mitten in Geschäften sei, welche eilen & nur durch ihn selbst vollendet werden können, auch der Präsident des Handelsministeriums zur Zeit nicht in Carlsruhe sei. Immerhin hoffe er aber am 28. d. Monats noch nach Luzern zu kommen & das Weitere zu vernehmen; er müße auch wünschen, durch die fragliche Expertise nicht zu lange & zu anhaltend in Anspruch genommen zu werden, damit er nicht vollständig aus seinem Geschäftskreise herausgerißen werde.

Gestern ist auch Hr. Ing. Homersdam aus| London hier eingetroffen. Er beabsichtigt Morgen an den Gotthardt zu reisen. Die anerbotene Begleitung lehnte er ab, indem er für einmal die Tour über den Gotthardt allein mit seinem Begleiter, deßen Namen mir nicht mitgetheilt wurde, zu machen wünsche, um eine ganz eigene, v. Niemand anders beeinflußte Anschauung oder Idee zu erhalten. Ich habe demselben eine Empfehlung mitgegeben. Etwas fatal mag es sein, daß Hr. Homersdam weder franz. noch deutsch spricht & sich daher eines Dolmetschers bedienen muß. –

In Betreff der Mont-Cenis-Pläne habe ich durch Hrn. Eugène Franel et Cie vorläufig folgende Mittheilung erhalten: «Il y a bien un plan (:il n'existe que le plan de la Gallerie du Mont-Cenis:) – du chemin de fer par le Mont Cenis; Mais il n'est pas en vente. Nous allons voir si on peut en faire lever une copie, dans ce cas nous vous en previendrons.» –|

Im April abhin waren die täglichen Fortschritte der Arbeiten im Mont-Cenis-Tunnel: im nördlichen Stollen 1. m 40, im südlichen Stollen 1. m 70, zusammen 3. m 10 oder 93 m im Monat. Diese Angaben stützen sich auf eine Mittheilung v. Hrn. Ing. Koller. –

In Beilage übermache Ihnen noch Auszüge aus zwei Briefen, die mir v. Hrn. Koller zur Einsicht mitgetheilt wurden. Zufolge der Brochure v. Hrn. Jaqini & der Bemerkung von Ing. Agudio scheint wenigstens die Diskußion zu Gunsten des Gotthardt in Turin zu beginnen. –

Genehmigen Sie bei diesem Anlaße die Versicherung ausgezeichneter Hochachtung & freundschaftl. Ergebenheit

v. Ihrem,

J. Zingg.

Luzern den 22 October 1863.