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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3549 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Alfred Escher an Josef Zingg, Zürich, Dienstag, 13. Oktober 1863

Schlagwörter: Eisenbahnen Bau und Technik, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahnprojekt, Schweizerische Kreditanstalt (SKA), Schweizerische Lebensversicherungs- und Rentenanstalt, Schweizerische Nordostbahn (NOB)

Briefe

Hochgeachteter Herr Regierungsrath!

Unter bester Verdankung Ihrer gestrigen verehrl. Zeilen sende ich Ihnen beiliegend das Sillar'sche Schreiben wieder zurück. Herr Homersham wird zunächst zu Ihnen nach Luzern kommen. Hierauf wird er, denke ich, Herrn Beckh, der heute mit dem letzten Zuge nach Luzern geht, um morgen mit dem ersten Schiffe nach Flüelen zu reisen, am Gotthard aufsuchen. Gewiß ist es am Platze, wenn Herr Homersham von Luzern bis zu seinem Zusammentreffen mit H. Beckh begleitet wird. Ich wüßte Ihnen jedoch hier niemanden vorzuschlagen, der diese Begleitung| zu übernehmen hätte. Gewiß werden Sie eine hiezu geeignete Persönlichkeit in Luzern finden.

Wollen Sie, wenn Sie Bericht betreffend die Annahme der Berufung zum Experten durch Herrn Pressel erhalten, denselben directe Hrn. Beckh zukommen lassen, der Sie wohl jeweilen benachrichtigen wird, wo er sich befindet. Herr Beckh wird mittlerweile, um keine Zeit zu verlieren, seine Untersuchungen in vollem Umfange fortsetzen. Ich habe ihm 3 tüchtige Geometer & 2 Meßgehülfen mitgegeben, obgleich es der Verwaltung der Nordostbahn gegenwärtig schwer fällt, diese Leute zu entbehren. Herrn Beckh habe ich einen Vorschuß von Fr. 500 & den Geometern ebenfalls einen solchen von Fr. 500. auszalen lassen. Wir werden diese Vorschüsse seiner Zeit von dem Beitrage| in Abzug bringen, welchen wir für die einleitenden Maaßregeln zur Anstrebung des Gotthard zu verabreichen beschließen werden. Es ist dieß wohl der einfachste Weg des Remboursements.

Man sagt mir so eben, es werde in St Gallen erzählt, das Italienische Ministerium habe bereits beschlossen, den Kammeraden Lucmanier vorzuschlagen. Wenn ich auch die Richtigkeit der Thatsache nicht verbürgen möchte, so könnte ich auf der andern Seite auch nicht sagen, daß ich sie für unmöglich oder auch nur für unwahrscheinlich halte. Mittlerweile wartet der Bundesrath pflichtschuldigst auf – das Hungerbühler'sche Buch!

Der Verwaltungsrath der Creditanstalt hat Herrn Director Wiedmer gestattet, das Generalsecretariat des Gotthardausschusses für so lange anzunehmen, als er| dadurch nicht an der Erfüllung seiner ersten Pflicht als Director der Rentenanstalt gehindert werde. Es wird nun die förmliche Zuschrift des Ausschusses an Herrn Wiedmer betreffend seine Ernennung aberlassen werden können.

Unter herzlichen Wünschen für Ihre verehrte Frau Gemalinn & Ihren l. Kleinen verbleibe ich in ausgezeichneter Hochachtung

Ihr freundschaftlich ergebener

Dr A Escher

Zürich
13 October 1863.