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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3541 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Mittwoch, 4. November 1863

Schlagwörter: Bundesrat, Gotthardbahnprojekt, Italienisches Parlament

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Ueber die Beschlüße des Bundesrathes in Gotthardtsachen habe ich einige Aufschlüße erhalten, von denen ich Ihnen Kenntniß zu geben mich beehre. Der «Bund» hat die Schlußanträge des Justizdepartements getreu mitgetheilt; dagegen war unrichtig, daß diese Anträge zum Beschluß erhoben worden seien, sie wurden vielmehr sammt allen Akten wieder dem Dep. des Innern zur endlichen Antragstellung überwiesen & zwar ohne weitere Diskußion. Hr. Pioda wollte einzig die Direktion beigefügt wißen, daß das Departement des Innern keine Anträge zu hinterbringen habe bis auf| die Anfrage des Bundesrathes von Seite der italienischen Regierung eine Antwort erfolgt sei, was aber nicht beliebt wurde. Somit ist die Angelegenheit einfach dem Dep. des Innern zur Antragstellung überwiesen. –

Hr. Bundesrath Knüsel bemerkt mir beiläufig, daß er den Italienern nicht recht traue, obschon es unwahrscheinlich sei, daß es möglich sei das nächste Parlament zu entscheidenen Beschlüßen in Sachen zu veranlaßen. Er wünscht daher sehr, daß die Vorarbeiten möglichst bald zu Ende geführt werden.

Ich erlaube mir bei diesem Anlaße die Frage anzubringen, ob es vielleicht nicht zwekmäßig wäre, wenn sich unser Herr| Generalsekretär mit Hrn. Jacini oder andern einflußreichen Persönlichkeiten in Italien, welche dem Gotthardt günstig gestimmt sind, in Verbindung setzen würde, um ihnen z. B. Material in der begonnenen öffentl. Diskußion zu verschaffen & einstweilen auf diesem Wege über die Situation Nachrichten zu erhalten. Dieß übrigens als ganz unmaßgebliche Ansicht; vielleicht haben Sie hiefür schon genügende Verbindungen. –

Mit dem frühern Präsidium des alten Gotthardtkomite stund auch Hr. G. Vogt in Genf in Verbindung, der dem Gotthardt sehr günstig & über die Angelegenheit schon viel mit einflußreichen Persönlichkeiten in England verkehrt habe. Ich kenne Hrn. Vogt allzuwenig, um beurtheilen zu können, ob es zwekmäßig sein würde, die Ver| bindung mit demselben in geeigneter Weise wieder anzuknüpfen. Es wäre mir lieb, darüber gelegentlich Ihre Ansicht zu vernehmen. –

Genehmigen Sie bei diesem Anlaße die erneute Versicherung ausgezeichnetster Hochachtung von Ihrem

freundschaftl. Ergebenen

J. Zingg.

Luzern d. 4. Nov. 1863.