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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3531 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053 (Entwurf)

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Montag, 16. November 1863

Schlagwörter: Bundesrat, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahnprojekt

Briefe

Concept.

Hochgeachteter Herr Präsident!

Heute ist mir nun die erste vollständige Copie der von Hrn. Wetli bearbeiteten Gotthardtpläne zugekommen, damit aber auch die Mittheilung mehrere Mitglieder des alten Gotthardtkomites wären der Ansicht, es sollte diese Copie der italienischen Regierung (resp. Minister der öffentlichen Bauten) in Turin übersandt werden, um damit dem schon vor längerer Zeit gegegebenen Versprechen des alten Gotthardtkomite nachzukommen. Bei dieser durch das alte Comite | erfolgenden Zusendung wäre mitzutheilen, daß gegenwärtig das Projekt Wetli's einer Prüfung durch die Hh. Beckh & Pressel unterzogen werde & die allfällig aus dieser Expertise hervorgehenden Aenderungen später ebenfalls werden mitgetheilt werden & zwar durch Vermittlung des schwz. Bundesrathes. –

Ich war zwar der Meinung, man werde in Folge der Bildung eines neuen Comite diesem die Zustellung aller Vorlagen an die italienischen Behörden überlaßen. Bei einigem Nachdenken schien mir indeßen, daß es vielleicht doch nicht ganz unzweckmäßig sein würde, wenn das alte Comite die Uebersendung der Plancopie| in angedeuteter Weise noch besorgen würde. Einmal habe ich in den Akten des alten Comite gefunden, daß dem Ministerium der öffentl. Bauten in Turin die möglichst baldige Zustellung schriftlich & mündlich (durch eine Abordnung) versprochen worden ist. Sodann dürften die Mitglieder des alten Comite, wenn ich mich ihrem Wunsche entgegensetze, daraus schließen, man beabsichtige ihre bisherigen Bemühungen in geringschätziger Weise zu behandeln. Endlich scheint mir – & das ist wohl der wichtigste Umstand – bei der gegenwärtigen Situation wünschbar zu sein, daß dem Minister der Bauten in Turin durch Vermittlung des bisherigen Comitee einsweilen wenigstens ein Theil des Materials mitgetheilt würde, das wir| der italienischen Regierung durch Vermittlung des Bundesrathes wie es scheint noch nicht mittheilen können.

Sie werden mir vielleicht sagen, daß, wenn es sich um die Erfüllung eines v. alten Comite eingegangenen Versprechens handle, der neue Ausschuß dabei nicht mitzusprechen habe. Ich möchte aber bei der gegenwärtigen Sachlage doch auch in diesem Punkte nicht handeln, ohne mich mit Ihnen darüber verständigt zu haben.

Darf ich Sie bitten, mir mit einigen Zeilen Ihre Ansicht mitzutheilen?

Inzwischen zeichnet mit dem Ausdruke ausgezeichneter Hochachtung

Ihr stets ergebener

J. Zingg.

Luzern den 16. Nov. 63.