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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3528 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Dienstag, 24. November 1863

Schlagwörter: Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahnprojekt, Italienisches Parlament, Lukmanierbahnprojekt, Mont-Cenis-Bahn

Briefe

Luzern den 24. Nov. 1863.

Hochgeachteter Herr Präsident!

Auf Ihre geschätzten Zeilen vom 20. dieß habe ich nicht ermangelt, Hrn. Staatsrath Pioda um Aufschluß über die Lage der Dinge betr. die Eisenbahnfrage im Kt. Teßin zu ersuchen & sehe nun deßen Bericht entgegen.

Inzwischen habe ich einige Zeilen von Hrn. Ständerath Bossi erhalten, der indeßen augenbliklich noch wenig Bestimmtes mitzutheilen im Falle war. Er bemerkt, daß bis jetzt die Ingenieure Sillars nur mit topographischen Aufnahmen, Planirungen etc beschäftigt gewesen seien, daß die Bevölkerung bereits an der Solidität der Gesellschaft zu zweifeln beginne, es auch heiße, daß Sillar noch keine Gesellschaft gebildet habe.

Von dem Agenten Sillars, Hrn. Cecovi ist| mir nun eine Copie der v. ihm an den Großen Rath gerichteten Eingabe übermittelt worden, die ich Ihnen in Beilage übermittle. Ob diese Eingabe die auftauchenden Befürchtungen beschwichtigen wird, steht dahin. Etwas auffallend kommt mir immer das Benehmen von Homersdam vor, der jetzt wieder eine Zusammenkunft mit Hrn. Bekh zu haben wünscht, ohne Weiteres über den Zwek derselben mitzutheilen. –

Wie ich vernehme, hat Hr. Pioda von Jacini aus Turin einen vertraulichen Brief erhalten, deßen Inhalt im Wesentlichen folgender sein soll: Er habe v. Hrn. Widmer eine Zuschrift erhalten, die er beantworten werde. Der Bauminister sei noch immer für den Lukmanier eingenommen; er glaube aber denselben auf den Punkt gebracht zu haben, daß er seine Blitze jetzt nicht gegen den Gotthardt loslaße, was sehr gefährlich werden könnte. Ueberdies gewinne in Italien der| Gotthardt immer mehr Boden, die Lombarden, die Mittel– & Süditaliener würden im Parlamente einen Schlag gegen den Gotthardt zu pariren suchen, da man überhaupt in dieser Frage sine ira vorgehen wolle. Die Ostschweizer seien übrigens auch sehr thätig & werden nächstens ein mit den nöthigen Finanzkräften unterstütztes Projekt vorlegen, – so sagen die Genueser. – Die Iengenieure arbeiten nun die Terrainaufnahmen der östl. Päße aus. – Die am Mont–Cenis aufgestellte neue Bohrmaschine soll trefflich arbeiten. –

Hr. Fr. Poggi in Turin, einer der italienischen Ingenieure, welche letzthin im Auftrage des Bauministers von den Gotthardtplänen Einsicht genommen – er unterzeichnet sich Ingenieur en chef– hat mich um weitere Mittheilungen, insbesondere um Mittheilung des Berichts v. Wetli ersucht, der aber wie es scheint noch nicht sobald zu erhalten ist. Er wünschte auch Angabe der Längenverhältniße von Chur nach Rorschach, v. Brunnen nach Zürich & | v. Zürich nach Rorschach & Romanshorn. Unter Mithülfe v. Koller werde ich dem Hrn. Poggi, der wie es scheint mit der Redaktion eines Berichts betraut wird, möglichst vollständige Aufschlüße ertheilen. Sollten Sie es angemeßener finden, ihm die Mittheilungen durch den Hrn. Generalsekretär zukommen zu laßen, so bitte um gefäll. Bericht. –

Gestern hat die Schlußsitzung des alten Gotthardtkomite, als deßen Todtengräber ich mir vorkomme, stattgefunden. Mit einem Begleitschreiben, von dem ich Ihnen später Kenntniß geben werde, wird dem Minister der Bauten durch ein früheres Comite mitglied, Hrn. Franel, eine Copie der Wetlischen Pläne mit den jüngsthin angedeuteten Bemerkungen übermittelt. Ferner sollen den Abgeordneten des bisherigen größern Gotthardtkomite je einige Exemplare des Uebersichtsplänches zugestellt werden; die weitern Copien & Pläne werden dem neuen Ausschuße zur Verfügung gestellt & den Caßaabschluß sollen der Präsident & Vicepräs. reguliren.

Mit diesen Mittheilungen verbindet die erneute Versicherung ausgezeichnetster Hochachtung & freundschaftlicher Ergebenheit

J. Zingg.