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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3526 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Samstag, 3. Oktober 1863

Schlagwörter: Gotthardbahnkonferenzen, Gotthardbahnprojekt, Presse (allgemein), Schweizerische Nordostbahn (NOB)

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Im Besitze Ihrer werthen Zuschrift vom 2. d., womit Sie nebst meinem Vorschlagschreiben auch einen Entwurf von Hrn. Direktor Widmer mir zu übersenden die Güte hatten, beehre ich mich Ihnen zu erwidern, daß mir die Wahl zwischen den zwei Entwürfen nicht schwer wurde. Ich würde dem Vorschlage aus anderer Feder schon deswegen den Vorzug gegeben haben, um aus der mir selbst lästig gewordenen gewohnten Ausdruksweise herauszukommen; im vorliegenden Falle aber freut es mich, dieß auch wegen weitern Vorzügen des Entwurfes des Hrn. Widmer thun zu können.Der neue Generalsekretär hat Ihrem Vorschlage alle Ehre gemacht.

Es thut mir sehr leid, daß die Publikation der Konferenzbeschlüße in den Luz. Blättern Sie| unangenehm berührt hat. An der Weglaßung des Paßus bei dem zweiten Ansuchen an den Bundesrath trage ich einige Schuld, indem ich, veranlaßt durch den Wunsch eines Abgeordneten d. Reg. v. Zürich, dem Hrn. Staatsschreiber bemerkt hatte, daß man bei allfälliger Publikation in Zeitungen mit diesem Punkt sich nicht beeilen dürfte. Ich setzte dabei freilich nicht eine wörtliche Mittheilung der Conferenzbeschlüße voraus; dem Redakteur des Tagblattes bemerkte ich es ausdrüklich, daß es geeigneter sein würde, die Beschlüße nicht textuell zu veröffentlichen. Unglüklicherweise hat sich nun aber Dienstag Abends der Redaktor des Eidgenoßen auf der Staatskanzlei die Conferenzbeschlüße verschafft & – vom Staatsschreiber nur auf jenen Punkt aufmerksam gemacht, dann alles Uebrige sofort in das Blatt aufgenommen. Nachdem die Beschlüße einmal in dieser Weise publicirt waren, glaubte dann den andern Tag auch das Tagblatt nachfolgen zu müßen. Dieß der Hergang, den ich schon deswegen auf's| lebhafteste bedaure, weil er Ihnen inmitten der vielen Mühen & Sorgen um das Unternehmen eine Verdrießlichkeit schaffen mußte.

Wie es scheint, hat auch noch Anderes Sie bemüht. Ich werde Ihnen nur dankbar sein, wenn Sie mir davon mit jener Offenheit Kentniß geben, die ich als einen besondern Beweis Ihrer Achtung betrachte.

Genehmigen Sie die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung & Ergebenheit

J. Zingg.

Luzern d. 3 8b 1863.

P. S. Welche Pläne wird Hr. Oberingenieur Bek bedürfen? Ein Theil unsrer Pläne liegt in Handen von Hrn. Ing. Koller, einen anderen Theil besitzt noch Hr. Wetli. –

Sollen den der Gotthardtvereinigung neu beigetretenen Kantonen & der Sch. N.O.bahn auch sog. Gründungsaktien für ihre finanziellen Leistungen zugestellt werden?

Obiger