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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3525 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Alfred Escher an Josef Zingg, Zürich, Freitag, 2. Oktober 1863

Schlagwörter: Bundesrat, Compagnie des chemins de fer de l'Est (französische Ostbahn) (EST), Gotthardbahnprojekt, Presse (allgemein)

Briefe

Hochgeachteter Herr Regierungsrath!

Wie ich mit der Durchsicht der von Ihnen entworfenen Zuschrift an den Bundesrath beschäftigt war, fiel mir ein, es könnte sich der von dem Ausschusse ernannte Generalsecretär, Herr Director Widmer, zum ersten Male an diesem Stoffe versuchen. Ich nahm also mit ihm Rücksprache über das zu lösende Problem & er hat nun den beiliegenden Entwurf ausgearbeitet. Welches Project, ob das Ihrige oder dasjenige des Hrn Widmer, nunmehr an den Bundesrath abzugehen habe, darüber wollen Sie nach ganz freiem Ermessen entscheiden.

Die Entwürfe zu den Zuschriften an Sillar & die französische Ostbahngesellschaft hoffe ich Morgen an Sie abgehen lassen zu können.

Hr Oberingenieur Beckh zeigt mir soeben an, daß er den an ihn ergangenen ehrenvollen Ruf mit Freuden annehme & Morgen Abend in Zürich ankommen werde. Es schien mir wünschbar, daß er sich so bald als möglich in die Schweiz verfüge, um sich sofort | zu orientiren, von den erlaufenen Acten, den aufgenomm nen Planen u. s. f. Einsicht nehmen zu können u. s. w.

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Ich habe sehr bedauert, daß die Beschlüsse der ständigen Commission in solcher Ausführlichkeit in den Luzerner blättern publicirt worden sind & das obleich man sich den Anschein gab, sie in ihrem ganzen Umfange zu publiziren, gleichwol gerade der wichtigste Passus, das Gesuch an den Bundesrath, sich seinerseits für die Wünschbarkeit einer Gotthardbahn auszusprechen, weggelassen wurde. Es ist ja klar, daß dieser Passus bekanntwerden wird, sobald die Zuschrift des Ausschusses in die Hände des Bundesrathes gelangt ist, & dann wird es heißen, man habe das Publicum unrichtig berichtet, getäuscht, man habe ein schlechtes Gewissen gehabt & darum die fragliche Stelle nicht be kannt machen dürfen u. s. f. – Wie die Sachen liegen muß man ihnen den Gang lassen: redressiren würde die Aufmerksamkeit in ganz besonderem Maaße auf den Gegenstand lenken. Der Vor gang ist mir aber sehr ärgerlich!

Ich hätte noch manches auf dem Herzen, das ich aber fast übermannt von einem Übermaaße von Geschäften für dießmal bei mir behalten muß. Es erübrigt | mir nur noch, Ihnen auch bei diesem Anlasse die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung & freundschaftlichen Ergebenheit zu erneuern.

Ganz Ihr

Dr A Escher

Zürich
2 Oct. 1863.