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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3523 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Freitag, 27. November 1863

Schlagwörter: Bundesrat, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahnprojekt

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Gestern ist mir nun eine vollständige Copie der Gotthardtpläne v. Wetli zugekommen, damit aber auch die Mittheilung, mehrere Mitglieder des alten Gotthardtkomite wären der Ansicht, es sollte diese Copie sofort durch das bisherige Comite dem Minister der öffentlichen Bauten in Turin übersandt werden, um damit einem schon längst gegebenen Versprechen nachzukommen; dabei wäre zu bemerken, daß gegenwärtig das Projekt Wetli einer Prüfung durch die HH. Bekh & Pressel unterzogen| werde & die allfällig aus dieser Expertise hervorgehenden Aenderungen später ebenfalls werden mitgetheilt werden & zwar durch Vermittlung des schweiz. Bunderathes. –

Ich war bisher der Meinung, man werde in Folge der Bildung eines neuen Ausschußes diesem die Zustellung aller Vorlagen an die italienischen Behörden überlaßen & habe mich auch in diesem Sinne gegenüber Hrn. Direktor Schmidlin ausgesprochen. Bei einigem Nachdenken hat mir geschienen, daß es vielleicht doch nicht ganz unzwekmäßig sein würde, wenn das alte Comite die Uebersendung der Plankopie in angedeuteter Weise besorgen würde. Einmal| ist die möglichst baldige Zustellung dem Ministerium der Bauten, wie Sie aus beiliegenden Aktenstüken ersehen wollen, v. Seite des Comite zugesichert worden. Sodann dürften die Mitglieder des alten Comite, wenn ich mich ihrem Wunsche entgegensetze, daraus schließen wollen, man mißkenne ihre bisherigen Bemühungen. Endlich scheint mir – & das ist wohl der wichtigste Umstand – es wäre bei der gegenwärtigen Situation unsrer Angelegenheit beim Bundesrath vielleicht im Intereße der. Sache, auf dem bezeichneten Wege dem Ministerium der Bauten vorläufig einen Theil des Materials zuzustellen, das wie es scheint auf officiellem Wege noch nicht sobald übermittelt werden wird.|

Sie werden mir vielleicht sagen, daß, wenn es sich um die Erfüllung eines vom alten Comite eingegangenen Versprechens handle, dieß den neuen Ausschuß nicht be[rühre?]. Ich möchte aber bei der gegenwärtigen Sachlage doch auch in diesem Punkte nicht handeln, ohne mich mit Ihnen darüber verständigt zu haben.

Darf ich Sie bitten, mir mit einigen Zeilen Ihre Ansicht mitzutheilen?

Inzwischen zeichnet mit dem Ausdruke ausgezeichneter Hochachtung

Ihr freundschaftl. ergebener

J. Zingg.

Luzern d. 27. Nov. 63.