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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3514 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Alfred Escher an Josef Zingg, Zürich, Mittwoch, 9. Dezember 1863

Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Bundesrat, Eisenbahnstrecken Konzessionen, Lukmanierbahnprojekt, Wahlen

Briefe

Hochgeachteter Herr Regierungsrath!

Vor allem habe ich Ihnen noch für Ihre beiden verehrl. Zuschriften vom 1 & 5 dß. zu danken. Ich gehe ganz mit Ihnen einig, daß die Motion des Hrn Dr. A. Steiger nichts weniger als zeitgemäß ist. Ich denke, es werde Ihnen & Ihren Freunden ohne besondere Schwierigkeit gelingen, die Zurückziehung oder die fortgesetzte Verschiebung der Motion zu bewirken.

Das Schreiben Cecovi's, welches ich in Beilage wieder an Sie zurückgelangen lasse, bestätigt, was ich hier in Betreff der Situation im Ctn. Tessin vernommen & auch selbst wahrgenommen habe. Es ist augenscheinlich, daß die Abgeordneten Tessin's in der Bundesversammlung zum weitaus größten Theile für den Lucmanier eingenommen sind. Sie werden auch fortwährend von Planta, Hungerbühler us. w. | bearbeitet. Es würde mich nicht wundern, wenn wir bald einmal erfahren würden, der Ctn. Tessin habe die Conzession für eine Lucmanierbahn ertheilt. Die Tessiner erklären namentlich, daß sie nie eine Staatsbetheiligung für eine Alpenbahn beschließen könnten: Die Betreiber des Lucmanier versichern sie, daß man für diesen Bergübergang durchaus nichts von ihnen verlange: unter diesen Umständen glauben die Tessiner ihrer Sache vollkommen sicher zu sein: sie nehmen an, ihr Gebiet müsse man überschreiten & in kurzer Zeit erleben wir vielleicht, daß sie noch eine Summe Geld verlangen, damit sie gestatten, eine Alpenbahn unter Benutzung des Tessin'schen Gebietes auszuführen!

Nächsten Samstag wird nun endlich die Wahl des Bundesrathes Statt finden. Dieß wird dann hoffentlich manche Gebundenheiten lösen & es dürfte die Situation in den Bundesbehörden eine klarere werden.

In Beilage übermittle ich Ihnen eine Zuschrift des Hrn Oberingenieur Beckh, aus welcher Sie mit Interesse den Bericht über den Fortgang der technischen Vorarbeiten entnehmen werden. Hr Beckh wünscht gemäß sei| nem Schreiben ein neues Exemplar der Wetli'schen Situationspläne zu erhalten, damit in dasselbe die Project– Linie des Gutachtens unserer technischen Experten eingezeichnet werden könne. Wollen Sie die Güte haben, dafür zu sorgen, daß diesem Wunsche des Hrn Beckh entsprochen werde.

Genehmigen Sie die Versicherung ausgezeichneter Hochachtung von

Ihrem freundschaftlich ergebenen

Dr A Escher

Zürich
9 Dezber 1863.