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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3497 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Alfred Escher an Josef Zingg, Zürich, Sonntag, 20. September 1863

Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Gotthardbahnkonferenzen, Gotthardbahnprojekt, Regierungsrat TG, Regierungsrat TI

Briefe

Hochgeachteter Herr Regierungsrath!

Ich wollte eben die Feder ergreifen, um Ihnen zu schreiben, als ich Ihre verehrl. Zuschrift v. 19ten dieß. erhielt. Mit Ihrer Absicht, die Einberufung der ständigen Commission für die Anstrebung des Gotthard auf den 28 dß. zu veranlassen, bin ich ganz einverstanden. Ebensosehr, als die Einberufung der Commißion, bevor Thurgau, Nidwalden u. s. f. ihre Schlussnahmen betreffend die Gotthard übereinkunft gefaßt & ihre Abgeordneten gewählt, nicht am Platze gewesen wäre, ebenso sehr würde eine Hinausschiebung des Zusammentrittes der Conferenz über den 28 dß. hinaus als ungerechtfertigt erscheinen. Es wird nur darauf hinzuwirken sein, daß die Cantone, welche die Ratification des Großen Rathes vorbehalten haben (wie z. B. Bern, Solothurn, Schaffhausen u. s. f.) gleichwol die Mitglieder der ständigen Commission, die sie zu ernennen haben, wählen. Es dürfte dieß am besten, wo nöthig, auf dem Wege der Privatcorrespondenz angestrebt | werden. Ich erlaube mir, Ihre Aufmerksamkeit mit besonderm Nachdrucke auf diesen Punct zu lenken.

So eben meldet mir Herr Cecovi, es seien im Staatsrathe von Tessin zwei Anträge einander gegenüber gestanden: 1.) Die Übereinkunft einfach zu genehmigen & zwei Mitglieder der ständigen Commission zu wählen. 2.) zu beschließen, die Übereinkunft in empfehlendem Sinne dem Großen Rathe vorzulegen, mittlerweile aber bloß einen Abgeordeneten zu den Sitzungen der ständigen Commission zu entsenden & zwar ohne ihm Vollmachten zu ertheilen. Der Antrag 2) wurde mit 4 gegen 3 Stimmen, die sich auf den Antrag 1.) vereinigten, angenommen. Diese 4 Stimmen waren Vicari, Morosini, Gagliardi & Lavizzari. Es läßt sich nicht läugnen, daß der Staatsrath von Tessin eine etwas zweideutige Rolle in dieser Angelegenheit spielt. Ich möchte Ihnen rathen, sofort noch an Hrn Knüsel zu telegraphiren, er möchte noch vor der Wahl des Gesandten nach Turin Herrn P. neuerdings zu einer bestimmten Erklärung über seine Ansichten betreffend die Alpenbahn veranlassen. Die Depesche kann ja leicht so gefaßt werden, daß sie von Hrn Knüsel, nicht aber von den Telegraphisten verstanden wird.

Im Thurgau wird außerordentlich gegen die Genehmigung der Gotthardübereinkunft gearbeitet. Hr. Hungerbühler hat seinen Freund, [Hrn ?] RR. Labhardt dazu vermocht, im Regie| rungsrathe zu beantragen, der Ct. Thurgau solle sich weder für den Gotthard, noch für den Lucmanier erklären, sondern sich neutral verhalten. Dieser Antrag ist gestern mit 2 Stimmen in der Minderheit geblieben: 4 Stimmen erklärten sich für Genehmigung der Gotthardübereinkunft. Der Große Rath soll nun am Dienstage endgültig entscheiden. Freund Häberlin sagt mir, es werde einen sehr lebhaften Kampf absetzen & der Ausgang sei zweifelhaft. Wir werden es an nichts fehlen lassen, um einen Beschluß zu Gunsten der Übereinkunft herbeizuführen.

Wie steht es in Neuenburg?

Hat die Gesellschaft Sillar u. s. f. der Regierung von Luzern eine offizielle Eingabe zu Handen der Gotthardconferenz gemacht?

Es wäre mir erwünscht, eine Abschrift des Schreibens des Staatsrathes von Tessin an die Regierung von Luzern betr. die Gotthardübereinkunft zu erhalten.

Hr. Allet sei nach der St. Gallerconferenz in Luzern gewesen. Er wird wohl Hrn. Segesser besucht haben? In welcher Weise hat er sich wohl ausgesprochen?

Entschuldigen Sie die vielen Fragen, die ich Ihnen vorlege, & genehmigen Sie die erneuerte Versicherung ausgezeichneter Hochachtung von

Ihrem freundschaftlich ergebenen

Dr A Escher

Zürich
20 Septr 1863.

Kommentareinträge

Nachträgliche Notiz oben rechts auf Seite 1 von dritter Hand mit Bleistift: «20 7ber 63.»