Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3495 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Alfred Escher an Josef Zingg, Lugano, Dienstag, 8. September 1863

Schlagwörter: Gotthardbahnkonferenzen, Gotthardbahnprojekt, Regierungsrat LU, Regierungsrat TI

Briefe

Lugano, 8 Septr 1863.
Nachmittags.

Hochgeachteter Herr Regierungsrath!

Diesen Morgen habe ich eine Conferenz mit den hier anwesenden Mitgliedern des Staatsrathes (4 von 7) gehabt, an deren Schlusse mir dieselben erklärten, es werde die Frage der Genehmigung der Gotthardübereinkunft vom Staatsrathe, sobald er vollzälig sei, (in den nächsten Tagen) erledigt werden & zwar, wie sie mir bestimmt versichern zu können glauben, einmüthig im zustimmenden Sinne. – Ich befreue mich, Ihnen nach den gestrigen unerfreulichen Mittheilungen heute diese gute Nachricht geben zu können. Eine Erholungsreise gereicht mitunter auch den Geschäften zum Frommen!

Herr Cecovi, der Agent der Conzessionäre der Tessinerbahn, wird vielleicht gleichzeitig mit diesem Briefe nach Luzern reisen & Ihnen dort seine Aufwartung machen. | Es scheint mir wünschbar, daß die Conzessionäre der Tessinerbahn in offiziellen Verkehr mit der h. Regierung von Luzern zu Handen der Gotthardconferenz treten. Dieß hätte natürlich nicht bloß durch einen Besuch des Agenten Cecovi bei Ihnen, sondern durch eine förmliche Zuschrift der Conzessionäre der Tessinerbahn, bez.weise den von ihnen gegründeten Gesellschaft an die h. Regierung von Luzern zu Handen der Gotthardconferenz zu geschehen.

Cecovi wird allerdings zum großen Theile von Concurrenten u. s. w. sehr viel Schlimmes nachgesagt. Sie wissen, daß derartigen Agenten in der Regel schiffbrüchige Personen sind, die nicht das allergrößte Zutrauen verdienen. Indessen erheischt die Gerechtigkeit, daß ich hervorhebe, daß Cecovi ein in den in Rede stehenden Materien sehr gewandter, ein durchaus intelligenter & auch ein in seinen Formen unbedingt angenehmer Mann ist. Ich würde Ihnen daher | rathen, ihn freundlich zu empfangen. Ich hoffe, Sie werden mir diese Winke nicht verübeln.

Eben gehen die Herren Battaglini & Beroldingen von mir, welche mich mit einem Besuche beehrt haben. Der erstere ist nach einer Abwesenheit von mehrern Tagen vor wenigen Stunden nach Lugano zurückgekehrt & sagte mir, er habe seit seinem Eintreffen noch niemanden gesprochen. Die beiden Herren, namentlich aber Beroldingen, äußerten sich zurückhaltend mit Beziehung auf den Gotthard: sie sprachen ungefähr wie gestern Abend die etlichen Notabilitäten, von deren Äußerungen ich Ihnen in meinem gestrigen Briefe berichtet habe. Namentlich glaubten sie auch, der Staatsrath werde es kaum auf sich nehmen, von sich aus & ohne an den großen Rath zu gelangen die Übereinkunft zu genehmigen.

Diesen Augenblick erhalte ich Ihre Depesche von heute Nachmittag, für die ich Ihnen | bestens danke. Die Zögerung Solothurn's ist im höchsten Grade auffallend.

Wir werden wahrscheinlich oder ich kann sagen gewiß bis Samstag (einschließlich) in Mailand (Hotel de la ville), wo wir Morgen Abends einzutreffen hoffen, bleiben. Für Mittheilungen, die Sie mir vielleicht dorthin zu machen die Güte haben dürften, werde ich Ihnen sehr dankbar sein.

Genehmigen Sie die erneuerte Versicherung ausgezeichneter Hochachtung von

Ihrem freundschaftlich ergebenen

Dr A Escher