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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Stehlin

AES B3429 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Johann Jakob Stehlin an Alfred Escher, Basel, Dienstag, 21. April 1868

Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Bundesrat, Deutsches Zollparlament, Landsgemeinde GL

Briefe

Mein lieber Freund!

Vorerst empfangen Sie meinen besten Dank für ihre gefäll. Mittheilungen die mir Gestern geworden; und ihrem Wunsche entsprechend, lasse ich nun anliegend das telegram von Luzern, sowie den Brief von Bern d. d. 17t wieder zurükfolgen, mit ersterm scheint mir der Ansicht Weltis in vorsichtiger Weise entsprochen zu sein und was den leztern betrift, so können wir nur wie schon oft bedauren, daß Herr Dubs nicht vermag eine rükhaltlosere Stellung dieser Frage gegen über einzunehmen, dieselbe immer wieder mit Bedenklichkeiten umhüllt und so auch jezt wieder die Zuschrift Bismarks von der ungünstigsten Seite auffaßt & beurtheilt und die Behand lung dieser hochwichtigen & dringenden Frage im Schooße des Bundesraths wieder & wieder hinausschiebt. Doch hoffe ich, daß Morgen | der BundesRath eintretten und daß H. Dubs nicht gegen seinen eigenen früheren Antrag entscheiden werde. –

Von Herrn Welti erhielt ich Samstags d 18t Nachmittags folgendes telegramm «Bitte Mittheilung allfällige Berichte von St. Berlin; eventuell verlangen Sie sofort solche. Erledigung Hier nächsten Mittwoch». Das Telegramm überraschte mich insofern, als Welti bei seinem Besuch in Hier, mir nichts von Stähelin gesprochen hatte, indessen nahm ich an es sei unter St. Stähelin verstanden und von diesem wünsche W. allfällige Berichte bezüglich der Meinungen in Berlin über die Alpenbahnfrage. Die Erledigung nächsten Mittwoch, bezog ich auf die bundesräthl. Behandlung der Frage wobei auffällt, daß Ihnen gegenüber am Tage vorher, der Montag bezeichnet wurde. – Nach sofort eingezogenen Erkundigungen ließ ich Welti pr telegram wissen, daß keine bezüglichen Berichte von Stähelin hier eigetroffen seien wenn aber solche anlangen, werde ich ihm sofortige Mittheilung davon machen.

Dann schrieb ich an Stähelin, ersuchte ihn unter| Bezugnahme auf meine frühere einläßliche Besprechung mit ihm, um gefällige & beförderliche Mittheilungen über seine Wahrnehmungen bezüglich der AlpenbahnFrage und besonders auch dann, wenn er im Besize bundersräthlicher Instructionen, die Frage offiziell zu behandeln haben werde; dann habe auch nicht unterlassen, Herrn St. wiederholt, diese sowohl für die Schweiz überhaupt, als für die Gotthardtsstände im Speciellen hochwichtige & Bedeutungsvolle Frage ans Herz zu legen, zu deren Förderung der jezige Günstige Moment nicht versäumt werden dürfe. – Hoffen wir, daß Herr Stähelin eine entsprechende Rührigkeit & Thätigkeit bei dieser Angelegenheit entwickeln werde, umso mehr als er während der Abwesenheit von LandAmmann Heer, ungehinderter eine solche wird entwickeln können. – Bis zur Stunde habe ich noch keine & durfte ich auch noch keine Antwort von Stähelin erhalten resp gewärtigen. Die bundesräthliche Langmuth gegenüber Herrn Heer ist nicht Jedermann verständlich, zuerst Ver schiebung, dann Unterbrechung der Verhdlungen,| EntgegenNahme von Abbitten & dann WiederErnennung jezt nach Beurlaubung, denn troz der Ueber reichung des AbberufungsSchreiben an König wird nach der Glarner LandsGemeinde H.. Heer sicher wieder nach Berlin reisen. –

Ich halte es für sehr wichtig, daß gleich in den ersten Tagen des Zusammtrittes des Zollparlaments wir Delegirte nach Berlin senden um die Mitglieder des Parlaments über die Alpenbahnfrage zu orien tieren & zu bestimmen, ich begrüsse es daher sehr wenn Herr Stoll anstatt nach Wien , nach Berlin reisen würde, sei es nun daß er von Herrn Schmidlin oder wenn dieser doch nach Wien geht, von Herrn Feer Herzog begleitet wäre. –

Unsere Abrede bezüglich allfälliges RendezVous nach Olten habe wohl im Gedächtniß, ich hoffe aber, daß die Morgen zu gewärtigen Entscheide des Bundesraths günstig ausfallen & uns von einer sofortigen Reise nach Bern dispensiren werden. –

In herzlicher Freundschaft empfiehlt sich Ihnen bestens

Stehlin

Basel, 21 April 1868.

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