Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B3332 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#547*

Emil Welti an Alfred Escher, Bern, Donnerstag, 23. November 1882

Schlagwörter: Bundesrat, Demissionen, Wahlen

Briefe

Hochverehrter Freund

Sie können sich vorstellen, wie sehr ich es mir in den letzten Tagen habe angelegen sein lassen Herrn Bavier auf andere Gedanken zu bringen. Leider war auch meine Mühe umsonst. Die Erklärung dass er durch seine Gesundheit gezwungen sei Bern zu verlassen bricht jedem weitern Versuch die Spitze ab und wir müssen uns auf eine Neuwahl gefasst machen, die nicht nach unserm Wunsche ausfallen wird. Ich halte Ihren Vorschlag für einen vortrefflichen, befürchte aber sehr er wer| de ohne Erfolg sein. Wie Sie sich erinnern wurde vor der Wahl des Herrn Hertenstein der Versuch gemacht Herrn Roth zu bestimmen, er lehnte aber sofort ab und erklärte mir später, dass er sich nicht entschliessen könnte seine Stelle mit derjenigen eines Bundesrathes zu vertauschen. Ich werde ihm gleichwol schreiben, sobald die Wahl von Bavier vor den Bundesrath gebracht wird.

Gestern kam das Entlassungsgesuch von Herrn Kern, der sich in einem Zustand höchster Aufregung | befindet und täglich die sonderbarsten Mitteilungen an den Präsidenten gelangen lässt. Nun wird sofort die Candidatur von Droz sich geltend machen und eine eigentliche Desorganisation des Bundesrates beginnen, die der Behörde weder zum Nutzen noch zur Ehre gereicht.

Von Tschudi ist die Demission auch da. Derselbe wird wahrscheinlich durch Lardy ersetzt werden. Über das Schicksal des Schulsecretärs habe ich letzter Tage wenig gehört; | Hier im Canton Bern befürchten die Gönner des Gesetzes immer noch in der Minderheit zu bleiben.

Leben Sie wohl und schonen Sie Ihre Gesundheit; meine herzlichsten und freundlichsten Grüsse an Sie und Fräulein Lydia.

Ihr Ergebenster

E Welti

Bern
23. Nov. 1882.