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Korrespondenz: Alfred Escher, Lydia Escher – Arnold Otto Aepli

AES B3328 | KBSG VNL 38 : B : 18

In: Jung, Aufbruch, S. 304–305

Alfred Escher und Lydia Escher an Arnold Otto Aepli, Belvoir (Enge, Zürich), Freitag, 15. September 1882

Schlagwörter: Familiäres und Persönliches

LE

Belvoir, 15.IX.82.

Hochgeehrter Herr!

Empfangen Sie meinen besten Dank für Ihre freundlichen Zeilen u: Ihre gütige Zusendung. Die sinnigen, poetischen Novellen Ihrer Nichte haben mich um so mehr interessirt, als ich stets große Sympathie für die liebenswürdige, junge Dichterin empfand u: warmen | Antheil an ihrem tragischen Schicksal nahm.

Ich werde das hübsche Buch als eine wehmüthige Erinnerung an die Verfasserin u: als werthes Andenken an einen verehrten Freund meines Vaters in Ehren halten.

Das altdeutsche Werkchen will ich mir zum Studium während der langen Winterabende vorbehalten.

Mein Vater u: ich sprechen noch oft von Ihrem | liebenswürdigen Besuche u: freuen uns der Erinnerung an die angenehmen Stunden, welche uns in Ihrer u: des verehrten Herrn Kanzlers Gesellschaft zu verleben vergönnt war.

Indem ich mich der Hoffnung hingebe, daß wir Sie, hochgeehrter Herr, bald wieder einmal bei uns zu begrüßen das Vergnügen haben werden, bitte ich Sie, mit | meinem wiederholten besten Danke für Ihre freundliche Aufmerksamkeit, den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung genehmigen zu wollen.

Ihre ergebene

Lydia Escher. |

Den Zeilen Lydie's füge ich meinerseits einige bei, welche Dir sagen sollen, in welch' freundlicher Erinnerung Dein Besuch auf Belvoir auch bei mir geblieben ist. Sehr gerne werden wir Dir bald einmal in St. Gallen die Hand drücken.

In der ersten Hälfte dieser Woche habe ich mit Ryf | in dem Sinne Rücksprache genommen, daß unsere Fraction demnächst einberufen werden sollte, um zu berathen, was ihrerseits gegenüber der gegenwärtigen politischen Situation & im besondern mit Beziehung auf die bevorstehende Abstimmung po Bundesbeschluß betreffend den Schulartikel geschehen soll. Ryf war mit dieser Anre| gung einverstanden & wird unserm Comité vorschlagen, die sämmtlichen Glieder der Fraction auf Sontag den 24. dß. nach Zürich einzuladen. Ich denke, das Comité werde den Vorschlag annehmen & ich werde also bald Gelegenheit erhalten, wieder mündlich mit Dir zu verkehren, worauf ich mich sehr freue. Mir scheint, es bereite sich | in der Schweiz eine politische Situation vor, in welcher unsere Fraction eine wichtige & nichts weniger als undankbare Rolle zu spielen berufen sein wird.

Auf Wiedersehen. Von Herzen

Dein

Dr A Escher 1

Belvoir
15 Sept. 1882.

Kommentareinträge

1Erste Hälfte des Briefes von Lydia Escher geschrieben, zweite Hälfte von Alfred Escher.

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