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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B3314 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#75* (Entwurf)

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 425 | Jung, Aufbruch, S. 718 | Gagliardi, Escher, S. 676

Alfred Escher an Emil Welti, Belvoir (Enge, Zürich), Freitag, 26. Mai 1882

Schlagwörter: Bundesrat, Freundschaften, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Krankheiten

Briefe

Belvoir 26 Mai 1882

Hochgee. Hr & Freund!

darf ich Sie vorerst bitten, die Verspätg. dsr Zln mit e. neuen, heftigen Anfalle ms Augenleidens, der mich in den letzten Tagen betroffen & bis heute in d. Unmöglichkt versetzt hat, auch nur e. Zle zu schreiben gütig entschldigen zu wollen. Die düstere Wolke, welche s. st einiger Zt trennend zwischen uns gelagert hatte, ist durch d. Zuschrift, welche der Hr Bdspräs. Ns dsBdsr am 2. dss Mon. & durch d. Schrbn, welches Sie am 22. an mich gerichtet haben, zerstreut worden.

War d. Trübg. unsers gegenseitigen Verhältnisses das schmerzlichste Erlebniß, welches mir d. öffentliche Leben gebracht , so ist es mir jetzt e. wahre Seelenfreude, daß ich die alten innigen Beziehungen zwischen uns als wieder voll & ganz hergestellt betrachten kann.

Erlauben Sie mir noch zwei Stellen Ihres verehrl. Schrbns zu berühren. Sie sprechen v. Ihrer «Mithilfe» bei dem Zustandebringen der G.B. & beurkunden dadurch neuerdings Ihre allbekannte Bescheidenheit. Niemand weiß besser als ich, daß Sie der Grundpfeiler waren, auf welchem die große Unternehmg. beruhte, waren Sie es ja in erster Linie, welcher an Maaßgebender Stelleden Compaß, der das riesige Werk durch ein Meer v. Schwierigktn & Hindernissen hindurch dem angestrebten Ziele zuführen | sollte, in sicherer, & fester Hand hielt.

Sie sagen dann noch in Ihrem Schreiben, daß mit Ihrem Wirken für die Ausführg. der G.B. «das Beste Ihrer Lebensarbeit gethan sei.» Wie hoch ich auch Ihre Leistungen für d. Zustandekommen d. Gotth. anschlage, so darf ich Sie doch nicht unterlassen daran zu erinnern, daß Tausende & Tausende in Ihrer politischen Thätigkt im Bunde die beste Garantie für die erfolgreiche Wahrg. der höchsten Interessen unsers Landes erblicken, & darum den warmen Wunsch hegen, Sie noch recht lange im Schooße der Bdsregg. zu wissen.1 Möge Ihr vielfach bewährter Patriotismus Sie dazu bewegen, diesem Wunsche zu entsprechen! Ihre so zahlreichen Freunde & Verehrer werden treu & unentwegt zu Ihnen stehen & unter denselben nicht als der letzte

Ihr

Dr. A. E.

Kommentareinträge

1Welti blieb bis Ende 1891 im Bundesrat. Sein Rücktritt nach der Abstimmungsniederlage über die Verstaatlichung der Eisenbahnen wurde auch durch das Scheitern der Ehe seines Sohnes Friedrich Emil Welti mit Eschers Tochter Lydia beeinflusst. Bundesrat Welti spielte in dieser Affäre eine fragwürdige Rolle, da er bei seiner Intervention seine politischen Verbindungen missbrauchte. Vgl. Jung, Aufbruch, S. 326–327; Emil Welti an Alfred Escher, 1. Mai 1869, Fussnote 5.