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Korrespondenz: Alfred Escher – Leonhard Tobler
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  • von Leonhard Tobler, 28. Oktober 1878 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Grosser Rat / Kantonsrat ZH, Nationalrat, Wahlen, Gotthardbahnprojekt AES B3215+
  • 1880
  • o. J.

AES B3215 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#499*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 381

Leonhard Tobler an Alfred Escher, Zürich, Montag, 28. Oktober 1878

Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnprojekt, Grosser Rat / Kantonsrat ZH, Nationalrat, Wahlen, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

LT

Zürich Montag den 28. October 78.

Verehrter Freund!

Ich erlaube mir Dir zur gestr. Annahme der zürcher. Gotthard-Subvention1 von Herzen zu gratuliren. Nach dem was vor 8 Tagen am See u. gestern noch im Weinland gehört habe, war es mir Angst geworden.

Nun kann man wieder froher | aufathmen. Der Entscheid des Zürch. Volkes wird ohne Zweifel auf die Betreiber des eidg. Referendums im höchsten Grade lähmend einwirken u. halte ich selbst für den Fall einer eidg. Volksabstimmung die Annahme für gesichert.2 Das ist doch wieder ein Lichtblick nach manchem Trüben!

Auch die Nat.Rathswahlen sind ja i. Ganzen gut ausgefallen. Daß | die launenhafte Volkesgunst Hr Römer3 u. sogar einen Widmer-Hüni4 Dir voranstellte, – darüber wirst Du Dich nicht trösten können. Die Hauptsache scheint mir immer: der Gotthard.

Nach menschlicher Voraussicht ist jetzt dieses große Nationalwerk – mit dem Dein Name so eng ver knüpft ist, – gesichert.-Fährt einmal die Locomotive von Flüelen bis Lugano so werden Deine | Neider u. Widersacher mit Glanz – oder auch ohne – abfahren od. dahin gefahren u. gekrochen sein, wo sie hingehören.

Drum Glückauf!

Mit herzl. Gruße
D.

L. Tobler OGerschr.

Kommentareinträge

1Der am 22. August 1878 erzielte sogenannte Gotthardkompromiss sah unter anderem vor, dass die an der Gotthardbahn beteiligten Kantone einen Nachsubventionsbeitrag von 2 Mio. Franken an die Gesellschaft zu leisten haben. Nachdem die betroffenen Kantone am 2. September 1878 in Bern in dieser Angelegenheit konferiert hatten, gelangte der Bundesrat mit der Aufforderung an sie, die Genehmigung der erzielten Vereinbarung durch die zuständigen kantonalen Organe schnellstmöglich voranzutreiben. Der Finanzierungsbeitrag des Kantons Zürich einschliesslich der Stadt Zürich sowie der umliegenden Gemeinden betrug insgesamt 502 500 Franken. Der Zürcher Kantonsrat sprach sich am 16. September 1878 einstimmig für die Annahme dieses Betrags aus, und auch das Zürchervolk befürwortete in der Abstimmung vom 27. Oktober 1878 die Subvention. Vgl. Bundesgesez betreffend Gewährung von Subsidien für Alpenbahnen (vom 22. August 1878), Art. 1, in: BBl 1878 III, S. 597; Prot. BR, 24. August 1878; Prot. BR, 6. September 1878; NZZ, 17. September 1878, 21. Oktober 1878, 2. November 1878; Die Rekonstruktion der Gotthardbahn, Absatz 15.

2Gemeint sind das Referendum gegen das Bundesgesetz betreffend Gewährung von Subsidien für Alpenbahnen vom 22. August 1878 und die eidg. Volksabstimmung vom 19. Januar 1879. Die Rekonstruktion der Gotthardbahn, Absatz 18.

3 Melchior Römer (1831–1895), Stadtpräsident von Zürich, Kantonsratspräsident und Nationalrat (ZH), Verwaltungsrat der Schweizerischen Nordostbahn.

4 Johann Jakob Widmer (1819–1879), Kantonsrat und Nationalrat (ZH).

Kontexte