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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3214 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#569*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 380

Josef Zingg an Alfred Escher, s.l., Freitag, [25. Oktober 1878]

Schlagwörter: Bundesrat, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnprojekt

Briefe

Hochverehrter Herr Präsident!

Indem ich Ihnen anliegend das bewußte Aktenstük übermache1, theile ich Ihnen bezüglich der Rechnung für das Goldauer trace noch mit, daß bei der künftigen Einmündung der Zugerlinie die Mehrkosten der offenen Linie gegenüber dem Tunnelprojekt nur 700,000 Fs. betragen, während wir jetzt 1. Mill. ersparen können.2 Hr. Gerlich3 erklärte mir, die Berechnung sei an der Hand der Detailaufnahmen & Detailpläne von ihm selber gemacht & es sei für die Zugerlinie noch stark gerechnet worden. – |

Gestern unterbreitete uns Hellwag eine Vorlage4, worin er statt der Kauffmann-Preßelschen Tunnelprofile5 sogenannte Z[w?]illingstunnel vorschlägt & erklärt, daß damit für einsweilen eine weitere Ersparniß v. ca 6,000,000 Fs. erzielt werden könne. Es ist nach meinem vorläufigen Eindruk eine ganz liederliche Arbeit. Ich frage mich nur, wie wir dieß am besten constatiren. Ein Urtheil seines Untergebenen ( Kauffmann ) wird er beanstanden & wieder als eine Ungehörigkeit erklären. Der | Bundesrath sollte, wie mir scheint, doch endlich einsehen, wie wir mit H. in diesen Dingen berathen sind. –

Ihr freundschaftlich ergebener

J. Zingg.

Kommentareinträge

Datierung gemäss Archivnotiz. – Nachträgliche Notiz oben rechts auf Seite 1 von Eschers Hand mit Bleistift: «25. Oct. 78» .

1Beilage nicht ermittelt. – Gemeint ist eine Abschrift von Konrad Wilhelm Hellwags Eingabe an den Bundesrat vom 15. Oktober 1878. Josef Zingg an Alfred Escher, 24. Oktober 1878.

2 Pressel war von der Gotthardbahn-Gesellschaft im August 1877 eingeladen worden, Einsparungsmöglichkeiten auf der Stammlinie ImmenseePino auszuloten. Einer seiner Vorschläge zielte darauf ab, die Wasserscheide bei Goldau zwischen dem Zugersee und dem Lauerzersee nicht, wie ursprünglich vorgesehen, zu untertunneln, sondern «im freien Luftraum» zu überschienen. Diesen Vorschlag prüfte die Gotthardbahn-Gesellschaft im Dezember 1877 und adaptierte in der Folge das Trassee auf der Strecke ImmenseeGoldauSeewen, unter anderem indem sie die Überschienungsvariante Pressels projektierte. Pressel, Gutachten (8. September 1877). Vgl. Geschäftsbericht GB 1877, S. 19; Geschäftsbericht GB 1878, S. 16.

3 Eduard Gerlich (1836–1904), Adjunkt des Oberingenieurs der Gotthardbahn-Gesellschaft.

4Dokument nicht ermittelt.

5 Pressel hatte im September 1877 vorgeschlagen, die Tunnel der Bergstrecke unter gewissen Voraussetzungen einstweilen nur einspurig und mit einem neuartigen Profil zu bauen, welches die spätere Erweiterung auf zwei Spuren ohne grössere Betriebsstörungen und ohne massive Mehrkosten ermöglichen sollte. Kauffmann modifizierte die Presselschen Vorschläge und berechnete die dadurch zu erzielende Gesamtersparnis auf knapp 5,8 Mio. Franken. Hellwag war ausserordentlich skeptisch gegenüber diesen Vorschlägen, da sich der erhoffte Spareffekt im ungünstigsten Fall «in ein sehr beträchtliches Mehrerforderniss über die Kosten hinaus, welche bei sofortiger Erstellung des normalen zweispurigen Tunnels erforderlich gewesen sein würden, verwandeln» könne.Hellwag, Reconstruction, S. 18. Vgl. Pressel, Gutachten (8. September 1877); Geschäftsbericht GB 1877, S. 19–20; Kauffmann Jakob, Vorschlag betreffend Modification der Pressel'schen Tunnel-Profile für vorläufig einspurige Ausführung der Tunnel auf den Bergstrecken der Gotthardbahn (nebst Beilagen), d. d. 4. December 1877 (SBB Historic VGB_GB_SBBGB02_017 ). – Zu den von Pressel und Kauffmann gemachten Vorschlägen äussert sich auch der Expertenbericht vom Juni 1878 an mehreren Stellen. Vgl. Bridel/Dapples/Koller, Experten-Gutachten.