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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3170 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#569*

Josef Zingg an Alfred Escher, Bern, Donnerstag, 13. Juni 1878

Schlagwörter: Bundesrat, Eisenbahngesellschaften Krise/Rekonstruktion, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnprojekt, Krankheiten, Vereinigte Bundesversammlung

Briefe

Hochverehrter Herr Präsident!

Mit dem lebhaftesten Bedauern empfieng ich ihre Nachricht, daß Ihr Leiden wieder zurükgekehrt. Gestatten Sie mir den Ausdruk meiner herzlichsten Theilnahme. Wir hätten es jetzt so nöthig, daß Sie mit ungeschwächter Kraft der Rekonstruktion unsers Unternehmens widmen könnten. –

Hr. Koller hat mir den Wunsch ausgedrükt, daß bei den Submissionsverhandlungen Offerten für die auf der Beilage bezeichneten verschiedenen Suppositionen begehrt werden möchten. Das Fragenschema des Eisenbahndepartements, das mir in ganz vertraulicher Weise| mitgetheilt worden ist & das ich Ihnen im Anschluße übermache, läßt es allerdings, wie mir scheint, als wünschenswerth erscheinen, daß die Offerten wenigstens auf einige dieser Suppositionen gemacht werden.

Ich habe gestern mit Hrn. Bundespräsidenten Schenk über die Cautions angelegenheit Rüksprache genommen & denselben gebeten, auf beförderliche Behandlung derselben durch die auswärtigen Staaten zu dringen. Hr. Schenk hat mir dieß versprochen. Bei diesem Anlaße sagte er mir u. A., daß ihm Hr. Bridel letzter Tage | gesagt habe, der Voranschlag reiche nicht ganz. Selbstverständlich habe ich von dieser Aueßerung Veranlaßung genommen, neuerdings bei Hrn. Welti & Koller auf die fatalen Folgen aufmerksam zu machen, welche ein Verdikt der Expertenkommißion in diesem Sinne haben müßte. Ich habe mir erlaubt, Hrn. Welti zu bitten, vor Abschluß des Gutachtens doch noch mit Hrn. Bridel Rüksprache zu nehmen. –

Die Vorlage des Bundesrathes wird voraussichtlich kaum vor Ende der nächsten Woche an die Bundesversammlung gelangen & daher schwerlich mehr in dieser Junisitzung behandelt| werden. Ich glaube, daß übrigens die Stimmung in der Bundesversammlung sich eher günstiger gestalte. –

Mit dem erneuten Ausdruke vorzüglicher Hochachtung verbleibe

Ihr stets ergebener

J. Zingg.

Bern d. 13 Juni 1878.

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