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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3139 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#569*

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Montag, 15. April 1878

Schlagwörter: Bundesrat, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnprojekt, Krankheiten

Briefe

Hochverehrter Herr Präsident!

Ich danke Ihnen herzlich für Ihre freundliche Teilnahme an meinem Befinden, sowie für die gefälligen Mittheilungen, welche Sie mir mit Ihrem geschätzten Schreiben vom 13. fl. Mts haben zugehen laßen. Ich habe eine schlimme Woche hinter mir, in der ich theilweise arbeitsunfähig gewesen bin. Gegenwärtig befinde ich mich nun aber wieder soweit hergestellt, daß ich hoffe Morgen, spätestens Uebermorgen wieder ausgehen zu können. Ich wünsche von Herzen, daß | dieß auch bei Ihnen recht bald wieder der Fall sein möge & daß Sie nicht zu unfreiwilliger Ruhe genöthigt werden. –

Die nächste Sitzung der Direktion nehme ich auf künftigen Mitwoch Morgen in Aussicht, zu welcher ich Hrn. Schweizer einladen werde. In dieser Sitzung hoffe ich die Vorlage zu einem Budget der muthmaßlichen Einnahmen & Ausgaben unserer Gesellschaft bis zum November fl. Jahres, sowie zu einem darauf basirten Schreiben an den Bundesrath, worin er um Gewährung von neuen | Vorschüßen aus der Caution ersucht wird, machen zu können. Ich werde die fragl. Akten sodann Hrn. Schweizer übergeben, um Ihnen davon Kenntniß zu geben &, sofern Sie mit der Vorlage einverstanden sein sollten, die Uebersendung an den Bundesrath zu besorgen. Ich bin zur Stunde noch nicht ganz im Reinen, ob es nöthig & zwekmässig sein wird, schon für die Tunnelkosten im Monat April, oder erst für diejenigen des Monats Mai einen Vorschuß zu verlangen. –

Im letztern Falle würde sich die gesammte erforderliche Vorschußsumme bis zum November 1878 auf 5¼ Mill. | Franken belaufen. –

Was Sie mir über die neuste direkte oder indirekte Thätigkeit unsers Oberingenieurs – die fortgesetzte Perfidie & Schlechtigkeit –, sowie über das Vorgehen Favres melden, zeigt wieder, daß uns bei der Durchführung des großen Unternehmens Nichts erspart werden soll. Ich habe aber die feste Ueberzeugung, daß wir schließlich über alle diese Erbärmlichkeiten siegen werden. Mein Vertrauen basirt auf die Güte & die Wahrheit unserer Sache.

In ausgezeichneter Hochachtung verbleibe

Ihr freundschaftlich ergebener

J. Zingg.

Luzern d. 15 April 1878.

Kontexte