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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3124 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#569*

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Samstag, 23. März 1878

Schlagwörter: Bundesrat, Eisenbahnen Bau und Technik, Grosser Rat / Kantonsrat ZH, Krankheiten

Briefe

Hochverehrter Herr Präsident!

Mit dem lebhaftesten Bedauern habe ich mich nach meiner Rükkehr aus dem Teßin vernommen, daß Ihre Gesundheit – wohl durch das Uebermaß von Arbeit – angegriffen sei & daß Sie sich wahrscheinlich für einige Zeit einem strengern ärztlichen Regime werden unterwerfen müßen. Der Ihnen auferlegte Hausarrest hat das Gute, daß Sie doch wenigstens theilweise etwas Ruhe bekommen & wie ich hoffe um so eher sich wieder erholen werden. – Wenn ich etwas| von Ihren Geschäften besorgen kann, so wollen Sie über mich verfügen. –

Indem ich Ihnen in der Anlage den gefälligst mitgetheilten Brief des Hrn. Bundesrath Heer wieder zugehen laße, füge ich bei, daß Hr. Heer in einem einläßlichen confidentiellen Schreiben an die Direktion uns nochmals sehr eindringlich gebeten hat, die Bedingung 3 des bundesräthlichen Schreibens vorbehaltlos anzunehmen. Nachdem die fragliche Bedingung auch vom Kantonsrathe v. Zürich ohne| Einschränkung als Bedingung einer neuen Subvention aufgenommen worden ist, theile ich vollständig Ihre Ansicht, daß nichts Anders mehr übrig bleibt, als sie anzunehmen & es ist daher auch der Antrag an den Verwaltungsrath in diesem Sinne gefaßt, immerhin mit der Redaktion, wenn sie der Kantonsrath v. Zürich festgestellt hat. Ich werde Ihnen heute den Beschlußesantrag, welcher dem Verwaltungsrathe mit einem einläßlichen Berichte einbegleitet werden soll, noch zusenden. – |

Es wäre vielleicht gut, wenn man den Bundesrath bestimmen könnte, die Frage, auf welcher Streke die Zuschlagstaxen für größere Steigungen bezogen werden können, von sich aus zu erledigen. Wie ich gehört habe, hatte Hr. Koller die Idee, als Basis die Streke anzunehmen, auf welcher die durchschnittliche Steigung 15‰ übersteigt, was eigentlich das rationelle wäre & sich mindestens auf die Streke ErstfeldBiasca ausdehnen würde. –

Mit dem herzlichen Wunsche, daß Ihr Gesundheitszustand sich recht bald wieder beßern möge, verbleibe

Ihr freundschaftlich ergebener

J. Zingg.

Luzern d. 23 März 1878.