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Korrespondenz: Alfred Escher – Jakob Kauffmann
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    1. von Jakob Kauffmann, 25. März 1875 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Eisenbahnen Bau und Technik, Bözbergbahn (BöB) AES B8230
    2. von Jakob Kauffmann, 25. April 1875 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Tunnelbau, Gotthardtunnel, Gotthardbahnprojekt AES B7551
    3. von Jakob Kauffmann, 9. Mai 1875 Schlagwörter: Bözbergbahn (BöB), Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Mont-Cenis-Bahn AES B8231
    4. von Jakob Kauffmann, 17. Mai 1875 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Tunnelbau, Gotthardtunnel, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahnprojekt AES B8232
    5. von Jakob Kauffmann, 31. Mai 1875 Schlagwörter: Presse (allgemein), Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahnprojekt AES B8233
    6. von Jakob Kauffmann, 15. September 1875 Schlagwörter: Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardtunnel AES B8234
    7. von Jakob Kauffmann, 25. September 1875 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Personelle Angelegenheiten, Gotthardtunnel, Schweizerische Nordostbahn (NOB), Schweizerische Centralbahn (SCB) AES B7300
    1. von Jakob Kauffmann, 9. Juni 1876 Schlagwörter: Presse (allgemein), Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur) AES B2811+
    2. von Jakob Kauffmann, 28. Oktober 1876 Schlagwörter: Bundesrat, Kommissionen (eidgenössische), Tunnelbau, Gotthardtunnel, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahnprojekt AES B2864+
    3. von Jakob Kauffmann, 30. November 1876 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Eisenbahnen Bau und Technik, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen AES B7382
    1. von Jakob Kauffmann, 25. Januar 1877 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Eisenbahnen Verträge, Gotthardtunnel, Gotthardbahnprojekt, Tunnelbau, Eisenbahnen Finanzierung AES B7826
    2. von Jakob Kauffmann, 7. Februar 1877 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Eisenbahnen Verträge, Tunnelbau, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardtunnel, Gotthardbahnprojekt AES B7557
    3. von Jakob Kauffmann, 19. August 1877 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Tunnelbau, Gotthardtunnel, Gotthardbahnprojekt AES B3018
    4. von Jakob Kauffmann, 12. September 1877 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Eisenbahnen Finanzierung, Eisenbahnen Bau und Technik, Gotthardbahnprojekt, Eisenbahngesellschaften Krise/Rekonstruktion AES B3044+
    1. von Jakob Kauffmann, 6. Januar 1878 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Liberale Presse, Eisenbahnen Bau und Technik, Eisenbahnen Finanzierung, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Gotthardbahnkonferenzen, Eisenbahngesellschaften Krise/Rekonstruktion, Eisenbahngesellschaften Offerten, Gotthardbahnprojekt AES B3092+
    2. von Jakob Kauffmann, 4. März 1878 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Eisenbahnen Bau und Technik, Jura Bernois (Bernische Jurabahnen) (JB), Tunnelbau, Mont-Cenis-Bahn AES B3114+
    3. von Jakob Kauffmann, 26. Mai 1878 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur) AES B3159
    4. von Jakob Kauffmann, 3. Juli 1878 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Bundesrat, Vereinigte Bundesversammlung, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Eisenbahngesellschaften Krise/Rekonstruktion AES B7691
  • 1880
  • o. J.

AES B3092 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#67*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 329

Jakob Kauffmann an Alfred Escher, Zürich, Sonntag, 6. Januar 1878

Schlagwörter: Eisenbahnen Bau und Technik, Eisenbahnen Finanzierung, Eisenbahngesellschaften Krise/Rekonstruktion, Eisenbahngesellschaften Offerten, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnkonferenzen, Gotthardbahnprojekt, Liberale Presse, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Gotthardbahn.

Zürich den 6ten Januar 1878.

Hochgeehrter Herr Präsident!

Die Depesche in der Neuen Zürcher Zeitung von gestern Abend1 über den Verlauf der intercantonalen Konferenz hat auf mich einen deprimirenden Eindruck gemacht, so daß ich mir erlaube Ihnen meine Ansicht über die Gotthardbahnange legenheit vor meiner Abreise an den Gotthard auszusprechen:

Dieses wiederholte Vertagen der Subventionsfrage muß die Besorgniß wachrufen, daß der Beginn des Baues nicht im nächsten Frühjahr erwartet werden kann.2 Tritt aber eine noch malige Verschiebung ein, dann wird die Basis aller Berech nungen verrückt, denn dann darf der Vollendungstermin keinen Falls vor 1t Juli 1882 angenommen werden.3 Die Situation der Gotthardbahn würde alsdann nur noch verschlimmert.

Nach meiner Auffassung ist die Reconstruction der Gotthardbahn vollendet, wenn die Schweiz die verlangten 8 Millionen Subvention definitiv der Gotthardbahndirektion zusichern kann. Alle andern Punkte bieten keine erheblichen Schwierigkeiten mehr dar.

Die Direktion hat nur nachzuweisen, daß sie mit den noch zu beschaffenden 40 Millionen ausreicht. Demgemäß bedarf sie | das Offert einer oder mehrerer Generalunternehmungen4 gestüzt auf das lezte Project5 Hellwag's . Fallen diese Offerte – wie ich annehme – so aus, daß mindestens die Summe für Unvorhergesehenes übrig bleibt, so wird es ein Leichtes seyn mit Hülfe der Pressel schen Vorschläge 6 und sonstigen Reductionen (auch in der Summe des Baupersonals, das bei einem Generalaccord bedeutend niedriger angesezt werden kann) entweder die 12 Millionen durch Erspar nisse nachzuweisen oder wenn dies nicht völlig möglich wäre, einige Millionen Obligationen 2ten Ranges durch die Unternehmung ausgeben zu lassen.

Die Ziffer des Generalofferts zu kennen, scheint mir eine der dringlichsten Reconstructionsmittel zu seyn. Denn dann läßt es sich auf einer sichern Basis mit dem Finanz Consortium verhandeln und die Schweiz wird gedrängt, ihre 8 Millionen aufzutreiben, da sie allein nur die Schuld trägt an einer weitern Verschleppung. Es wäre sogar nicht unmöglich daß – wenn die Gesellschaft das von ihr im Luzerner Programm7 Verlangte erfüllt hat – die beiden andern Subventionsstaaten bei der Schweiz anfragen, ob sie Willens sey auch ihre Schuldigkeit zu thun und zu diesem Mittel werden sie wohl noch greifen müssen, um dem guten Willen aufzuhelfen.

Ich wiederhole nochmals: zuerst muß die Gesellschaft die an sie gestellte Forderung erfüllt haben, dann werden die 8 | Millionen der Schweiz bald beieinander seyn. Wenn die volkswirthschaftliche Einsicht zu gering ist und die Mißgunst zu groß, dann wird die Diplomatie schon den Kant'schen8 Spruch zur Wahrheit werden lassen «du kannst, weil du sollst».

Die Monte Ceneri linie 9 wird bei der Bundessubvention eine große Rolle spielen. Ich glaube kaum, daß die Kantone mehr als 3 Millionen Subvention zusammenbringen, dann verbleiben noch 5 Millionen für den Bund übrig, wovon vielleicht 1 Million für unnöthig gewordene Unterhaltung der Gotthardstraße abzuziehen ist. Ob der Bund ausserdem für den Monte Ceneri noch eine weitere Subvention giebt, glaube ich nicht und es fragt sich, ob die Gotth.bahngesellschaft die Linie Lugano-Chiasso nicht einer neu zu bildenden Gesellschaft abtreten darf, welche die Monte Ceneri linie erstellt. Als Sackbahn ist nur Verlust auf dem Betrieb, somit nur eine Last für die Gesellschaft. Actionäre u. Obligationäre sollten keine Einwendungen erheben, wenn sie ihren Vortheil verstehen; denn je rascher die Monte Ceneri linie gebaut werden kann, desto vortheil hafter ist es für das Hauptnez.

Sollte der Bund die 8 Millionen allein übernehmen u. die Kantone u. Bahngesellschaften incl. dem Tessin u. den italienischen Städten 6 Millionen Subvention einzig für die Monte Ceneri linie geben, so könnten die fehlenden 7 Millionen durch Ausgabe weiterer Obligationen leicht be schafft werden. Die lezte Lösung wäre die beste, sie zöge auch den Patriotismus der nicht italienischen Schweiz in's Spiel. |

Wenn man sich in der Schweiz nur besser auf indirekte Staats einnahmen verstünde, der Tabak allein gäbe ein Einnahmsobject für die Subvention 3er Alpenbahnen ab.

Die Lage der Gotthardbahn fängt an eine acute zu werden, es darf jezt keine Zeit mehr versäumt werden und will es mir scheinen als behandle der Bundesrath und die Presse die für die Schweiz eminent wichtige Frage der Gotthardbahn nicht mit dem gebührenden Ernst.

Ich maße mir nicht an Ihnen Vorschläge machen zu wollen, aber die Überzeugung habe ich, daß die Vergebung der Bahn noch vor dem1t April zu geschehen hat und zu diesem Zweck muß rasch verhandelt werden.

Hochachtungsvoll

J. Kauffmann.

Kommentareinträge

1Gemeint ist die Ausgabe der NZZ vom 6. Januar 1878. Vgl. NZZ, 6. Januar 1878.

2Nachdem durch den Kostenvoranschlag Konrad Wilhelm Hellwags vom Februar 1876 der grosse zusätzliche Mittelbedarf für die Vollendung der Gotthardbahn bekannt geworden war, hatte die Gotthardbahn-Gesellschaft die Bauarbeiten ausserhalb des grossen Tunnels auf ein Minimum beschränkt. Vgl. Prot. BR, 22. März 1876; Prot. BR, 5. April 1876; Prot. BR, 24. Mai 1876; Wanner, Gotthardbahn, S. 368.

3Der ursprünglich auf den 1. Oktober 1881 festgelegte Vollendungstermin der Gotthardbahn wurde als nicht mehr realisierbar angesehen, wie einem Gutachten vom Juni 1878 zu entnehmen ist: «Es ist in Bezug auf die Baufristen nachgewiesen worden, daß von der Möglichkeit der Inbetriebsezung der Bahn auf 1. Oktober 1881 [...] abstrahirt werden und vorläufig, den ernsthaften Baubeginn auf Frühjahr 1879 als möglich vorausgesezt, als frühester Termin der Betriebseröffnung der ganzen Linie der 1. Juli 1882 bezeichnet werden muß. » Bridel/Dapples/Koller, Experten-Gutachten, S. 159. Vgl. Bericht des schweiz. Bundesrathes an die hohe Bundesversammlung über seine Geschäftsführung im Jahre 1872, in: BBl 1873 II, S. 368; Staatsvertrag Gotthardbahn 1869, Art. 3.

4Die Gotthardbahn-Gesellschaft arbeitete im ersten Halbjahr 1878 die Grundlagen für die Vergebung der Bauarbeiten im Generalakkord (à forfait) aus und trat diesbezüglich in Verhandlungen mit verschiedenen Bauunternehmen. Vgl. Geschäftsbericht GB 1878, S. 22.

5 Hellwag reichte am 18. bzw. 28. Juli 1877 einen Voranschlag ein, welcher die von der internationalen Konferenz vom Juni 1877 gutgeheissenen Projektmodifikationen berücksichtigte. Vgl. Pressel, Gutachten (8. September 1877); Wanner, Gotthardbahn, S. 395.

6 Vgl. Pressel, Gutachten (8. September 1877); Pressel, Gutachten (9. September 1877).

7 Vgl. Conférences internationales 1877, Protocole final, 12. Juni 1877 (S. 68–72).

8 Immanuel Kant (1724–1804), Philosoph.

9Die internationale Konferenz vom Juni 1877 beschloss, auf den Bau der Ceneri-Linie vorerst zu verzichten. Vgl. Conférences internationales 1877, Protocole final, 12. Juni 1877 (S. 70).