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Korrespondenz: Alfred Escher – Franz Dula

AES B3083 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#70*

Franz Dula an Alfred Escher, Luzern, Montag, 19. November 1877

Schlagwörter: Eisenbahnen Finanzierung, Eisenbahnen Verträge, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Rechtliches

Briefe

Gotthardbahn.
Secretariat der Direction.

Hochgeachteter Herr Präsident!

Unter Anschluß des mir übergebenen Plänchens beehre mich, nach Rücksprache mit Hrn. Abtheilungskommißair Zimmermann, Ihre Anfrage vom 15. dieß:

«Ob von den von der GBG. in der Gemeinde Arth erworbenen Terrains und eventuell welche disponibel würden resp. veräußert werden könnten, wenn statt des in beiliegendem Plänchen roth angelegten Planprojektes, auf welches hin unsere Terrainerwerbungen erfolgten die beiden blauen Linien früher oder später ausgeführt werden wollten; eventuell welchen Verlurst man muthmaßlich an den Terrains erleiden würde, die man veräußern könnte»

wie folgt zu beantworten:

Wir haben bisher, auf die rothe Linie gestützt, folgende Verträge abgeschloßen:

Kaufvertrag Arth 1: um 3008 □m Riedland, Parzelle 94 des Katasterplanes Arth I der Gotthardbahn; Kaufpreis: fr. 2000; und betrifft das Terrain, welches jenseits des südlichen Ausgangs des projektirten Goldauertunnels gelegen , also Steinen zugekehrt ist und sonach bei Ausführung der blauen Projekte nicht mehr benöthiget | ist; Hr. Zimmermann glaubt, man würde dafür fr. 1600 lösen, also einen Verlurst machen gegenüber dem Ankaufspreise von fr. 400.–

Kaufvertrag Arth 2: um 3940 □m Riedland Parzelle 95 des Katasterplanes Arth I der Gotthardbahn; Kaufpreis fr. 2100; dieses Terrain ist dem vorigen benachbart und auch nicht mehr benöthiget, wenn die blauen Linien zur Ausführung gelangen; muthmaßlicher Erlös dafür fr. 1'900; somit Verlust gegenüber dem Ankaufspreise fr. 200.–

Kaufvertrag Arth 3: um 18810 □m Riedland Parzelle 92 des gleichen Katasterplanes; Kaufpreis fr. 10,000; Terrain den beiden vorigen unmittelbar benachbart; ebenfalls nicht benöthiget, wenn blaue Projekte ausgeführt werden; muthmaßlicher Erlös dafür fr. 7500; also Verlurst fr. 2500.– (der Boden ist etwas schlechter, als bei den vorher genannten Parzellen)

Kaufvertrag Arth 4: um
a). 6510 □m der Parz. 93 Arth I, und
b). 279 □m " " 4 " I.
Kaufpreis fr. 5000.– 1

Die 6510 □m der Parz. 93 sind den obbenannten Terrains benachbart und nicht benöthiget, wenn die blauen Projekte ausgeführt werden. Im Gesammt-Kaufpreise der Objekte dieses Vertrages seien die 6510 □m zu ungefähr fr. 4530 inbegriffen; veräußert könnten dieselben um etwa fr. 3430 werden; daher mit einem Verlurste von fr. 1100.–2

Die 279 □m der Parzelle 4 sind an dem dem Zugersee zukehrten Ende der projektirt gewesenen Station | 3 Arth 6. bei Ausführung der blauen Projekte auch nicht mehr benöthigt; dieselben würden ohne Verlust, also um den restanzlichen Antheil am Gesammtkaufpreise von fr. 5000, somit um fr. 470, verkauft werden können.

Kaufvertrag Arth 5: um
a). den Bahnbedarf von 12530 □m der Parz. 86 Arth I (Gerbehof)
b). den ganzen Abschnitt links dieser Parzelle mit 5855 □m.
Kaufpreis fr. 18600.– 4

Diese Parzelle war zur Verwendung für das südliche Ende der Station Arth – Ausweichgeleise – bestimmt; der Abschnitt links von 5855 □m ist auf unserm Katasterplanexemplare, das ich zur Vergleichung beilege, roth schraffirt. Eine genaue Vergleichung dieses Katasterplanes mit dem mir von Ihnen gegebenen Plänchen und zwei mir von Hrn. Vizepräsident Zingg zur Disposition gestellten Plänen hat nun sowohl Hr. Abtheilungskommißair Zimmermann als mich überzeugt, daß Alles, was die GBG. von dieser Parzelle 86 erworben hat, für die Ausführung der blauen Projekte nicht nöthig ist. Sowohl die Distanz als ganz besonders die verschiedene Höhenlage in der sich die beiden Projekte bewegen, scheint uns diese Annahme zur Gewißheit zu erheben. Ich möchte Sie jedoch bitten, die Sache auch selbst noch zu untersuchen. Mit Rücksicht auf den Umstand, daß das erworbene Terrain dieser Parzelle durch die darauf stattgehabten vielfachen Erdbewegungen 5 etc stark alterirt wurde u. deßen Herstellung in Culturland mit erheblichen Auslagen für den Käufer verbunden sein wird, glaubt Hr. Zimmermann, daß für diese 12530 + 5855 □m nicht mehr als fr. 12000 erlöst werden könnten, also ein Verlurst von fr. 6600.–6 | resultiren würde.

Mit Vertrag 6 wurden gegen eine Auslage von fr. 400.– vom Eigenthum der Parzelle 91 Mieterfahrrechte etc. zu Gunsten der den betreffenden Expropriaten verbleibenden Abschnitte der Parzellen 92 und 93 abgetreten; da der Einschnitt, der diese Communikation unterbrach, verbleiben wird, werden diese Conzeßionen nicht rückgängig gemacht werden können. 7

Laut Vertrag 7 hat die GBG. 5151 □m der Parz. 88 und 1070 □m der Parz. 89 Arth I gepachtet, für Anlage eines Schachtes, Ablagerung von Material u. Anlage eines Sträßchens zum Schachte. Der Vertrag dauert bis Ende des Baues; die erste Hälfte Pachtzins mit fr. 495.28 ist bezahlt; die andere – gleiche – ist nach Vollendung des Baues zu zahlen, wogegen das Sträßchen der GBG. verbleibt. Hr. Zimmermann glaubt, daß der Grundeigenthümer auf die zweite Hälfte Pachtzins verzichte, wenn man ihm das Terrain früher – bald – zurückgebe u. das Sträßchen überlaße. – Dieser Schacht liegt seitwärts der blauen Linie. –

Ich resümire also dahin: Alle von der GBG. in Arth mit Käufen bis u. mit 5 erworbenen Terrains – in Goldau Steinen etc. wurde nichts erworben – können veräußert werden, wenn nicht das rothe, sondern die blauen Projekte zur Ausführung gelangen. Die GBG. wird dafür muthmaßlich lösen: fr. 26,900 also fr. 10,800.– weniger, als sie für diese Terrains bezahlt hat8.

Mit vorzüglicher Hochachtung!

F Dula

Luzern, den 19. Novbr. 1877.

2 Beilagen: erwähnt

NB : Mit Schluße-Nr 275 vom 29. I. 1876 hat die Direktion die Genehmigung des Kaufvertragprojektes um den «Hummelhof » – Parz. 83. 82. 72. Arth I; Kaufpreis fr. 83,000.– abgelehnt. –

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6Nachträgliche Notiz von Eschers Hand mit Bleistift: «Summa fr 10,800» .

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