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Korrespondenz: Alfred Escher – Joseph Maria von Hettlingen

AES B3071 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#67*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 324

Joseph Maria von Hettlingen an Alfred Escher, Schwyz, Freitag, 26. Oktober 1877

Schlagwörter: Gotthardbahnprojekt, Kantonsrat SZ, Regierungsrat BE, Regierungsrat SZ, Regierungsrat ZH, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeachteter Herr Praesident!

In Bezugnahme auf eine frühere mit Ihnen über eine eventuelle Bundessubsidie gepflogene Unterredung finde ich, es dürfte Sie wohl interessiren, wie diese Frage sich in den Verhandlungen der Sibnerkommission am 15t u. 16t dss in Bern1 gemacht hat. Die schwyz. Regierung wünschte von mir einen schriftl. Bericht zu den Akten, und ich nehme nun davon Veranlassung, Ihnen denselben zur Einsicht mitzutheilen.2 Er ist äußerst getreu, und enthält meine eigenen Voten nur deßhalb umfänglicher, weil ich, nicht instruirt, den innegehaltenen Standpunkt der Regierung genau darthun wollte, und anderseits in die Lage gekommen war, für die Bundessubsidie den Hauptantrag begründen zu müßen. Die Haltung der Regierungen von Zürich und besonders von Bern ist markant genug, und läßt, wenigstens bei letzterer, das wahre Gesicht hinter der Maske recht gut erkennen. Die beiden im Schlußvotum von mir gedupften | «aus-der-Schule-Schwätzer» sind Nat.Rath Brunner3 und Reg.Rath Hartmann4 von Bern.

Unser Cantonsrath ist mit der Zahlung pro 18775 einverstanden, und damit ist auch die Opposition im Bezirksrath lahm gelegt.

An die kommende Conferenz wird die reg.räthliche Instruktion im Sinne meines Votums lauten.6 Es ist Schade, daß unser Cantonsrath nicht eine Competenz von fr. 100,000 hat, so viel ließe sich in dieser Behörde als Nachsubvention wohl durchdrüken; vor dem Referendum hätte selbst diese Summe bei weitem nicht sichere Aussichten.7 Wir sind zu sehr durch Steuern erdrükt.

Schließlich bitte ich Sie, die Protokollsskizze mir nach genommener Einsicht gefälligst zurücksenden zu wollen.

Hochachtungsvoll

Ihr

J. v. Hettlingen

Schwyz, d. 26t Oct. 1877:

Kommentareinträge

1Gemeint ist die am 3. August 1877 eingesetzte Kommission für die Ausarbeitung eines Verteilvorschlags der schweizerischen Nachsubvention. Die Kommission wurde präsidiert von Regierungspräsident Jakob Pfenninger (ZH) und setzte sich zusammen aus den Regierungsräten Joseph Frey (AG), Johann Jakob Hartmann (BE), Wilhelm Klein (BS), Josef Anton Schobinger (LU), Josef Wilhelm Vigier (SO) und Hettlingen. Vgl. Prot. BR, 3. August 1877; Prot. BR, 17. Oktober 1877; Joachim Heer an Alfred Escher, 17. Oktober 1877; Die Rekonstruktion der Gotthardbahn, Absatz 12.

2Beilage nicht ermittelt.

3 Rudolf Brunner (1827–1894), Grossrat und Nationalrat (BE).

4 Johann Jakob Hartmann (1818–1897), Regierungsrat (BE).

5Gemeint ist die Zahlung des jährlichen Subventionsbeitrags an die Gotthardbahn-Gesellschaft. Vgl. Staatsvertrag Gotthardbahn 1869, Art. 17.

6Eine zweite Repartitionskonferenz von Abgeordneten der mit Beitragsleistungen an der Gotthardbahn-Gesellschaft beteiligten Kantone und Eisenbahngesellschaften fand am 5. Januar 1878 statt. Vgl. Prot. BR, 8. Januar 1878; Die Rekonstruktion der Gotthardbahn, Absatz 13.

7Das Repartitionstableau der bereits erwähnten Kommission sah für den Kanton Schwyz einen Anteil von 300 000 Franken an der Nachsubventionierung der Gotthardbahn-Gesellschaft vor. Vgl. Prot. BR, 17. Oktober 1877; Die Rekonstruktion der Gotthardbahn, Absatz 12.

Kontexte