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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3065 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#569*

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Mittwoch, 10. Oktober 1877

Schlagwörter: Eisenbahnen Finanzierung, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB)

Briefe

Luzern d. 10. October 1877.

Hochverehrter Herr Präsident!

Im Anschluße übermache ich Ihnen ein an mich adreßirtes Schreiben des Hrn. Haller sammt Beilagen, womit eine Ergänzung einer von ihm aufgestellten Tabelle der verschiedenen Kostenberechnungen für die Gotthardbahn mit den Zahlen der Luzerner Conferenz gewünscht wird. Die Tabelle enthält die Kosten des ganzen Netzes mit Ausnahme der Teßiner Linien & exclusive Zinsen. Nach dem Format zu schließen, dürfte es sich darum handeln, diese Zusammenstellung einem den Staaten zu übermittelnden Vierteljahresberichte oder einer besondern amtl. Vorlage beizufügen. –

Ich habe nun den Eindruk, daß durch eine solche officielle Aufstellung ab Seite der schweiz. Bundesbehörde, wenn sie nicht mit entsprechenden Bemerkungen begleitet wird, die Sache wieder auf einen unrichtigen Boden gestellt wird. Denn einmal liegt derselben die Berechnung der Kosten der teß. Thalbahnen nach | der bekannten Aufstellung des Obering. Hellwag zu Grunde. Frägt man sich z. B., woher die Ziffer v. fs. 6,680,000 für « allg. Verwaltung» kommt, so findet man sie durch folgende Berechnung: Kosten nach dem generellen Voranschlage v. Hellwag:

für das ganze Netz: für die Teßiner Bahnen:
für Rükerstattungen: fs. 505.000. fs. 125,000.
" Capitalbeschaffgen: " 6.120.000. " 2.450.000.
" allg. Verwaltg. " 3.461.800. " 831.800
Sa fs. 10.086.800 " 3.406.800. *)
ab pr. Teß. Linien. " 3.406.800
bleiben... fs: 6.680.000 unter dem Titel «allg. Verwltg.».

* Unsere Aufstellung v. 22. Jan. hat diese Posten wie folgt richtig gestellt:

Rükerstattungen fs. 79.583.
Capitalbeschaffg. " 1.360.158.
allg. Verwaltg. " 492.412.
fs. 1.932.153

In ähnlicher Weise kann man wenigstens annähernd die zwei Posten «Vorarbeiten» & «Allgemeines» beim Bau herausbringen. – Sodann ist zu bemerken, daß die Rubriken unter Cap. Bahnbau mit unserm Schema so stark differirte, daß Willkührlichkeiten & Unrichtigkeiten in den Ansätzen kaum zu vermeiden sein werden.|

Es will mir daher scheinen, daß es angezeigt sein wird, sich um die Arbeit des Hrn. Koller in Bern etwas näher zu erkundigen & darauf hinzuwirken, dass die Aufstellung entweder verändert, oder wenn man einmal auf der Hellwag'schen Rechnung glaubt fortbauen zu sollen, dieselben doch mit berichtigenden Bemerkungen begleitet wird. Die fatale Rechnung Hellwag's erbt sich sonst wie eine ewige Krankheit fort. –

In ausgezeichneter Hochachtung

Ihr freundschaftlich ergebener

J. Zingg.

HHrn. Präsident Dr. A. Escher in Zürich.