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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B3058 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#547*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 316 | Jung, Aufbruch, S. 695

Emil Welti an Alfred Escher, Bern, Freitag, 28. September 1877

Schlagwörter: Bundesrat, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Regierungsrat BE, Schweizerische Centralbahn (SCB), Schweizerische Nordostbahn (NOB)

Briefe

Verehrter Herr und Freund

Ich danke Ihnen für den Entschluss1 den Sie gefasst haben und freue mich desselben, weil ich überzeugt bin, dass er ebensosehr in Ihrem persönlichen Interesse als in demjenigen der grossen Aufgabe lag, der Sie Ihr Leben gewidmet haben.

Ohne Zweifel wird diese Ansicht von allen getheilt an deren Meinung Ihnen gelegen ist.

Gestern hat die Berner-Regierung dem Bun| desrath Ihre «Bedingungen»2 kund gethan und heute sind bereits die Einladungen zur Conferenz3 auf nächsten Mittwoch an die NOst, Central und Gotthardbahn sowie an die Regierungen von Bern und Luzern abgegangen; ich wollte nicht einen Augenblick verlieren. Wünschenswerth wäre es, wenn die Bahnen sich vorher untereinander besprechen würden, da sonst ein Resultat für die erste Sitzung nicht zu hoffen ist. Herr Koller ist beauftragt Ihnen heute noch persönlich ein Exemplar | des Schreibens der Regierung von Bern mitzutheilen.

Diesen Augenblick ist auch Ihre Zuschrift4 betr. die Genehmigung der Gothardpläne eingegangen und ich habe die nötigen Verfügungen bereits getroffen.

Schliesslich kann ich nicht umhin Ihnen noch zu sagen, dass ich mir nachträglich Vorwürfe darüber machte Emil5 erlaubt zu haben Ihre Einladung anzunehmen; ich begreife gar nicht warum ich es nicht einsah, wie unrecht es ist | Ihnen in diesem Moment beschwerlich zu fallen.

Eben vernehme ich, dass Roth6 morgen nach Berlin verreist; er wird heute hier seine Instructionen in Empfang nehmen.

Ihr ganz Ergebenster

E Welti

Bern
28. Sept. 1877.

Kommentareinträge

1Escher legte seine Stelle als Präsident und Verwaltungsrat der Schweizerischen Kreditanstalt nieder. Die NZZ schrieb, das Motiv zu diesem Schritt sei «in dem Widerstreit der Interessen zu suchen, welcher sich zwischen der Gotthardbahngesellschaft und dem Finanzkonsortium der Gotthardbahn, bei welchem bekanntlich die Kreditanstalt in bedeutendem Maße betheiligt ist, in neuerer Zeit erhoben hat» . NZZ, 29. September 1877. Telegramm Josef Zingg an Escher, 17. September 1877 (BAR J I.67-6.61); Josef Zingg an Alfred Escher, 30. September 1877.

2Der Kanton Bern übermittelte dem Bundesrat den seine Beteiligung an der Nachsubvention von 8 Mio. Franken betreffenden Forderungskatalog mit Schreiben vom 27. September 1877. Joachim Heer an Alfred Escher, 16. August 1877.

3Anfang Oktober 1877 fanden unter Weltis Vorsitz Konferenzen zur Klärung der Berner Bedingungen statt. Die Rekonstruktion der Gotthardbahn, Absatz 13.

4Brief nicht ermittelt.

5 Friedrich Emil Welti (1857–1940), angehender Jurist und Historiker, Sohn von Carolina und Emil Welti.

6 Arnold Roth (1836–1904), ausserordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister der Schweiz in Berlin.