Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Wilhelm Pressel

AES B3057 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#70*

Wilhelm Pressel an Alfred Escher, Wien, Dienstag, 25. September 1877

Schlagwörter: Aargauische Südbahn (ASB), Eisenbahnen Bau und Technik, Eisenbahnen Verträge, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB)

Briefe

Wien 25 Sept. 1877

Hochgeachteter Herr President

Es macht mir aufrichtige Freude, Ihnen berichten zu können, daß der treffliche Herr Gottschalk mir gestern seine Geneigtheit zur Begutachtung der Traktionsfrage ausgedrückt hat. Er ist zwar in diesem Augenblick von Geschäften überhäuft, aber er unterzieht sich gerne dieser hoch interessanten und dabei in ihren Folgen so nützlichen Arbeit. Ich werde selbstverständlich ihm dieselbe nach Kräften erleichtern, indem ich ihm zur raschen Orientirung alle Auskunft und Hilfsmittel gebe. Dabei kommt es mir zu Statten, daß er vor 3 Jahren den Gotthard bereits und, wie ich wahrnehmen kann, mit ziemlich intensiver Aufmerksamkeit in Augenschein genommen hat.

Ich nehme mir die Freiheit, Sie ergebenst zu bitten, Ihrerseits die Einladung zur Übernahme dieser Expertise schriftlich an ihn richten zu wollen und berufe mich auf die Motive, welche Herr Kauffmann die Ehre gehabt, Ihnen mitzutheilen. Der Beschleunigung der Sache wird dieser Modus auch zu Statten kommen.

Es macht mir weitere Freude, Ihnen berichten zu können, daß Herr Gottschalk in Allem und Jedem mit meinen Anträgen übereinstimmt. Nach seiner Ansicht wird durch das neue Projekt die Betriebsfähigkeit der Bahn und die Regelmäßigkeit des Verkehrs auch in den ungünstigsten Zeiten gesichert sein. – Wenn ein Mann von solch hohem Werthe, ein Mann, welcher überdieß besonders in Italien in bedeutendem Ansehen steht, sich in diesem Sinne ausspricht, so dürften die interessirten Regierungen der angeregten Projektsmodifikation ihre Zustimmung gerne ertheilen – und die im Materiellen zwar unschädliche, aber mit Rücksicht auf die heutige Situation doch zum mindesten unangenehme Opposition der Steilrampen-Fanatiker verstummen und, wenigstens nach dieser Richtung einmal Ruhe einkehren.

Meine beiden Berichte bin ich so frei, Ihnen mit diesem einzusenden. Die zu denselben gehörenden Pläne habe ich vorläufig Herrn Gottschalk behändigt, ebenso einen Auszug meiner beiden Berichte.

Eine Abschrift der forfait-Akkorde der Südbahn werde ich Ihnen in ein Paar Tagen senden.

Ich habe die Ehre zu sein, hochgeachteter Herr President

Ihr ganz ergebener Diener

W Pressel

Kommentareinträge

Nachträgliche Notiz unten links von dritter Hand: «Prot. 1. X. 77. N. 2114.»

Kontexte