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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3043 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#569*

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Dienstag, 11. September 1877

Schlagwörter: Bundesrat, Eisenbahnen Bau und Technik, Eisenbahnen Finanzierung, Familiäres und Persönliches, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnkonferenzen, Presse (allgemein)

Briefe

Luzern d. 11. Sept. 77.

Hochverehrter Herr Präsident!

Ich danke Ihnen bestens für die gefälligen Mittheilungen, welche Sie mir mit Ihren geschätzten Zuschriften vom 7. & 8. dieß haben zugehen laßen & sende Ihnen in der Anlage den Brief des Hrn. Bundespräsidenten Dr. Heer, von welchem ich mit Intereße Kenntniß genommen habe, wieder zurük. Mögen die Einwirkungen – welche Hr. Feer-Herzog noch durch einen Artikel in einem norddeutschen Blatte zu verstärken beabsichtigt – nur den gewünschten Erfolg haben! Ich fürchte, daß man uns Kurse proponiren werde, von denen, wenn man nicht die Subventionsverhandlungen | in den Räthen & Parlamenten gefährden will, nicht die Rede sein kann.

Anlangend die Verhandlungen über die künftigen Annuitätenzahlungen will ich nicht unterlaßen noch beizufügen, daß ich den Hrn. Kinel & Schenk vorgeführt habe, daß die Zinsenrechnung des schwächsten Punkt der in den Luz. Conferenzen aufgestellten Kostenberechnung bilde & daher wahrlich kein Grund vorliege, die Position noch mehr zu verschlechtern, daß bei dem neuen Modus der Zahlung der Subventionen & Annuitäten die Gesellschaft im Jahre 1880 10–20 Mill. fs. weniger in Casse haben werde, als die Bauausgaben erheischen &s. w. – Was das die Bedeutung der Aenderung betrifft, so theile ich vollständig | Ihre Auffaßung. Ich frage mich zur Zeit nur noch, ob man dem Consortium bei den Verhandlungen in Frankfurt davon Kenntniß geben muß, oder ob man sich deßen enthalten kann. Vorläufig neige ich zu Letzterm hin. –

In Sachen Favre hat nun Hr. Vogt eine Eingabe an die Direktion gerichtet, in welcher er die Rükhaltung der Abschlagszahlungen anregt & vorschlägt, dem Bundesrathe von dem Vorgange Kenntniß zu geben. Letzteres scheint mir selbstverständlich; indeßen dürfte die Mittheilung wohl ohne Anstand bis zu Ihrer Rükkehr verschoben werden. Wahrscheinlich werden Sie wünschen, die Angelegenheit mündlich mit dem BR. zu verhandeln. –

Hr. Favre hat, wie zu erwarten stund, | die Erstellung der Dienstbrüke über die Reuß auf Unrechthabende Kosten abgelehnt. Bei Besichtigung der Sache in Göschenen habe ich den Eindruk erhalten, es würde vielleicht am besten sein, diesen Herst das linke Widerlager zu erstellen & sodann eine provisorische oder definitive Brüke von uns aus zu erbauen. Erstere würde nach den Aeußerungen des Sektionsingenieurs dann noch etwa 3000 fs. kosten. Ich habe die Bauleitg beauftragen laßen, der Direktion bezügliche Kostenberechnungen vorzulegen. Die Entschließung bleibt so bis zu Ihrer Rükkehr verschoben. –

Mit lebhafter Theilnahme habe ich vernommen, daß Ihre Fräulein Tochter erkrankt ist. Ich hoffe, daß ihre kräftige Constitution ihr bald wieder zur Gesundheit verhelfen wird. –

Mit herzlichem Gruße

Ihr

J. Zingg.