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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3029 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#569*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 307

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Mittwoch, 29. August 1877

Schlagwörter: Aargauische Südbahn (ASB), Bundesrat, Eisenbahnen Finanzierung, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Grosser Rat LU, Schweizerische Centralbahn (SCB)

Briefe

Luzern d. 29. Aug. 77.

Hochverehrter Herr Präsident!

In der Anlage übermache ich Ihnen eine Copie des Beschlußes des Bundesrathes in Sachen der Herausgabe eines Theils unsrer Caution von 10 Millionen Franken. Sie werden wohl mit mir finden, daß der Beschluß für uns ganz befriedigend ist. Die Herausgabe v. Titeln im Betrage v.Mill. Franken hat bereits stattgefunden. –

Soeben theilt mir Hr. Direktor Weber mit, daß in den Bernerkonferenzen1 die von ihm vorgelegten Fahrplanprojekte, wornach die Züge der Gotthardbahn bis Luzern gehen würden, dazu geführt haben, daß die Commission nun einstimmig den Antrag stelle, in Verhandlungen | betreffend Leistung weiterer Subventionen einzutreten.2 Es werde dabei verlangt werden, daß die fahrplanmäßigen Züge bis Luzern gehen3, die Südbahn der Gotthardbahn den Betrieb v. Immensee bis Rothkreuz überlaße4 & die Centralbahn den z. Z. mit den Jurabahnen bestehenden Conkurrenzvertrag auch auf den Gotthardverkehr ab Biel ausdehne.5 Ich muß indeßen beifügen, daß ich möglicherweise den letztern Punkt nicht ganz verstanden habe. –

Bei einer Besprechung von liberalen Mitgliedern des Großen Rathes v. Luzern, welche gestern hier stattgefunden, sollen sich mehrere der tonangebenden Männer sehr warm für eine fernere Betheiligung des Kantons ausgesprochen & bemerkt haben, daß dieß auch die Anschauung der Kreise sei, welche sie vertreten.

In ausgezeichneter Hochachtung Ihr stets ergebene

J. Zingg.

Kommentareinträge

1Gemeint sind vermutlich die Verhandlungen der von Joachim Heer gegenüber Escher erwähnten Berner Kommission. Joachim Heer an Alfred Escher, 16. August 1877 Josef Zingg an Alfred Escher, 22. August 1877.

2Noch am 8. August 1877 erklärte der Berner Regierungsrat in einem Schreiben an den Bundesrat seinen vorläufigen Verzicht auf die Mitarbeit in der Repartitionskommission.Joachim Heer an Alfred Escher, 16. August 1877.

3 Vgl. Volmar, Alpenbahnpolitik, S. 160.

4 Vgl. Volmar, Alpenbahnpolitik, S. 161.

5Erst Ende Dezember 1877 akzeptierte die Schweizerische Centralbahn diese Forderung: «Vom Tage der Eröffnung der Gotthardbahn und während der Dauer von 10 Jahren wird der von Immensee nach dem Kanton Bern und dem Westen der Schweiz, sowie der in umgekehrter Richtung sich bewegende Verkehr (Gotthardverkehr) den Bestimmungen des zwischen der Jura-Bern-Luzern-Bahn, bez.weise der Gesellschaft der Bern-Luzern-Bahn und der Centralbahn bestehenden Vertrags vom 25./28. Januar 1876 unterstellt und zwar unter Berüksichtigung der kürzern Distanz einer direkten Linie zwischen Luzern & Immensee (via Küssnacht). » Prot. BR, 29. Dezember 1877. Vgl. Prot. BR, 13. November 1877; NZZ, 27. Dezember 1877.