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Korrespondenz: Alfred Escher – Eugen Escher

AES B3021 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#188*

Eugen Escher an Alfred Escher, Engelberg, Mittwoch, 22. August 1877

Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnprojekt, Schweizerische Centralbahn (SCB), Schweizerische Nordostbahn (NOB), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Engelberg, 22. Aug. 1877.

Verehrtester Herr und Freund!

Ihr Brief aus Homburg vom 19. d. M. nebst Beilage ist mir diesen Mittag zugegangen, und da seither eingetretene, andauernde Gewitterregen meine übliche Nachmittagsbeschäftigung, einen längeren Spaziergang verbieten, fällt mir die sofortige Beantwortung um so leichter.

Den Brief des Herrn Bundesrath Heer glaube ich als konfidentiell mitgetheilt ansehen zu sollen, und daher stelle ich Ihnen denselben nach genommener Einsicht sofort wieder zurück. Zugleich aber unterlasse ich nicht, von den in Aussicht stehenden Verhandlungen Herrn Präsidenten Vischer konfidentielle Kenntniß zu geben, und schlage ihm zur Orientirung eine Besprechung, wo möglich im Laufe der nächsten Woche, vor. Soviel ich weiß, ist zwar Herr Vischer zur Zeit in Klosters | abwesend; doch denke ich daß seine Rückkehr sich nicht mehr lange verzögern werde. Meinerseits werde ich Sonntag Abends oder, falls die Witterung von Sonntag noch zu einer Fahrt auf den Rigi lockt, spätestens Montag Vormittags wieder in Zürich sein.

An meinem Orte werde ich gerne dazu Hand bieten, Bern's Mitwirkung bei der Ergänzung des Subventionskapitals der Gotthardbahn zu fördern – oder dessen leitenden Persönlichkeiten wenigstens jede Entschuldigung einer ferneren passiven Haltung wenigstens vor billig denkenden zu entziehen. Die Bemerkungen des Herrn Heer lassen freilich fürchten, daß Ersteres nicht leicht sein werde; denn es scheint auch mir unmöglich, daß NOB. und CB. im Wesentlichen weiter gehen, als Sie bereits andeuten.

Ich werde die nächstfolgenden Tage benutzen, mir die Sache etwas weiter zu | überlegen, und auch Herrn Vischer brieflich soweit verständigen, daß er sich damit ebenfalls sofort befassen wird. Sorgfältige Überlegung ist allerdings nöthig, schon wegen der vielfach schwierigen Lage, in der sich die NOB. befindet.

Letztere hat mich sehr vielfach beschäftigt und mir den vollen Genuß der vergönnten Arbeitspause nicht gestattet; der Gedanke an Vergangenheit und Zukunft des Unternehmens verfolgt mich auch auf einsamen Spaziergängen und in stillen Mußestunden. Immerhin habe ich geistig etwas ausgeruht und hoffe, den mancherlei Arbeiten und – Widerwärtigkeiten, welche die nächste Zeit noch bringen wird, mit gestärkter Kraft entgegensehen zu dürfen. Wenn nur wenigstens das Ziel schließlich erreicht wird!

Von Zürich habe ich den beiliegenden Brief aus Padua erhalten, der, obschon er sehr deutlich meine Adresse trägt, offenbar für Sie bestimmt ist. |

Indem ich Ihnen von Herzen eine gute Kur wünsche und bei eintretendem Anlaß nicht ermangeln werde, Ihnen weitere Mittheilungen zu machen, verbleibe ich

in steter Hochachtung

Ihr freundschaftlich ergebener

Dr E. Escher