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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2960 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#547*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 286 | Jung, Aufbruch, S. 668 (auszugsweise) | Gauss, Briefe, S. 142–143 | DDS III, S. 240

Emil Welti an Alfred Escher, Bern, Montag, 23. April 1877

Schlagwörter: Diplomatische Aktivitäten, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnprojekt

Briefe

Mein verehrtester Herr und Freund

Von Martuscelli1 habe ich erfahren «es sei das italienische Ministerium von den Tagesfragen so sehr in Anspruch genommen, dass es sich mit dem Gothardt zu beschäftigen keine Zeit finde.» Obschon der Geschäftsträger diese Mittheilung privatim machte beruht sie ohne Zweifel doch auf Nachrichten | die er aus Rom erhalten hat. Ich muss gestehen, dass mich dieser Bericht in Verbindung mit dem Schweigen2 von Pioda trost und rathlos macht. Ich bin völlig niedergedrückt u kann nicht anders als Ihnen mein Herz zu leeren, obschon ich weiss, dass ich es nicht thun sollte; aber wohin soll ich mich wenden? Diese Italiener speculiren offenbar auf den Ruin | der Gesellschaft von dem sie für das Unternehmen Erleichterung und Nutzen hoffen. Darum habe ich seit Monaten – freilich ohne Erfolg – darauf gedrungen, dass durch unsern Gesandten die italien. Regierung über diesen Punct aufgeklärt und unterrichtet werde. Was soll nun geschehen? Theilen Sie mir Ihre Meinung mit; die Gefahr ist gross und noch grösser | die Qual derselben mit gebundenen Händen gegenüber zu stehen. Es ist doppelt traurig, weil wir nach allen Berichten aus Berlin, der dortigen thätigen Theilnahme sicher sein können.

Von ganzem Herzen

Ihr

E Welti

Bern den 23. April 1877.

Kommentareinträge

1 Ernesto Martuscelli (Lebensdaten nicht ermittelt), Geschäftsträger der italienischen Gesandtschaft in Bern.

2 Pioda hatte am 5. April 1877 über den Verlauf der Verhandlungen in Italien betreffend die Gotthardfrage informiert. Am 17. April wurde er aufgefordert, bei den italienischen Ministerien auf eine Beschleunigung der Antwort auf die Note des Bundesrats vom 16. Dezember 1876 hinzuwirken. Er berichtete über den Vollzug dieser Weisung am 3. Mai. Vgl. Prot. BR, 9. April 1877; Prot. BR, 17. April 1877; Prot. BR, 7. Mai 1877; Josef Zingg an Alfred Escher, 9. März 1877; Emil Welti an Alfred Escher, 13. April 1877, Fussnote 6.

Kontexte