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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2948 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#547*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 283

Emil Welti an Alfred Escher, Bern, Donnerstag, 5. April 1877

Schlagwörter: Bundesrat, Gotthardbahnprojekt

Briefe

Hochgeehrter Herr und Freund

Wie ich gestern erwartete, hat Herr Anderwert die Mission übernommen. Die ganze Sache war dem Bundesrath dadurch erleichtert worden, dass die Intervention des Bundesrathes auch von der rechtsufrigen ZSeebahn1 und der Regierung von Aargau angerufen wor| den war.

In Gotthardsachen hatte Herr Schenk das von mir ausgearbeitete Memoire2 über die rechtlichen und finanziellen Folgen einer Liquidation an Herrn Sahli3 zur Begutachtung übergeben. In einer Conferenz die ich gestern mit letzterem hatte, haben wir uns über alle Puncte vollständig geeinigt und es soll nun eine ganz kurze Darstellung zu Handen unserer Vertreter in Rom u Ber| lin4 von ihm ausgearbeitet und vorher der Gotthardcommission unterbreitet werden. Ich werde Ihnen rechtzeitig davon Kenntniss geben.

Herrn Heer geht es seit einigen Tagen entschieden besser.

Von Herzen

Ihr

E Welti

Bern
den 5. April 1877.

Kommentareinträge

11873 verpflichtete sich die Schweizerische Nordostbahn zur Ausführung der rechtsufrigen Zürichseebahn und übernahm die entsprechenden Konzessionen. 1877/78 wurde die Frist für die Erstellung der Bahn aufgrund der Finanzkrise der Schweizerischen Nordostbahn verlängert. Die Linien StadelhofenRapperswil und ZürichStadelhofen wurden am 15. März bzw. 1. Oktober 1894 dem Betrieb übergeben. Vgl. Geschäftsbericht NOB 1873, S. 9; Kessler, Nordostbahn, S. 58–60, 160–162.

2In einem am 10. April 1877 Escher übergebenen Dokument mit der Überschrift «Welches ist nach den Erhebungen der Expertenkommission die finanzielle Lage des Gotthardunternehmens nach dem Konkurse der Gesellschaft?» ging Welti aufgrund der Ergebnisse der Expertenkommission von 1876 von einem noch benötigten Kapitalbedarf für die Erstellung des im Staatsvertrag von 1869 festgehaltenen Bauprogramms von 188 Mio. Franken aus. Nach dem Konkurs der Gotthardbahn-Gesellschaft stünde eine neu zu gründende Gesellschaft nach Weltis Berechnung sogleich wieder vor einem Defizit von 40 bis 45 Mio. Franken, da wohl nur etwa 80 Mio. Franken des zu deckenden Kapitalbedarfs von rund 125 Mio. Franken zu beschaffen sein würden. Damit wären trotz Konkurs und der erbrachten finanziellen Opfer die Schwierigkeiten nicht behoben und der künftige Kapitalbedarf nur unwesentlich geringer als bei der gegenwärtigen Situation. Vgl.Welti Emil, Welches ist nach den Erhebungen der Expertenkommission die finanzielle Lage des Gotthardunternehmens nach dem Konkurse der Gesellschaft? (BAR J I.67-6.69); Welti Emil, Welche Wirkungen ergeben sich aus der Liquidation der jetzigen Gotthardbahngesellschaft für die weitere Fortführung und Vollendung des Unternehmens?, in: DDS III, S. 204–206; Joachim Heer an Alfred Escher, 18. Februar 1877, Fussnote 7.

3 Christian Sahli (1825–1897), Grossratspräsident (BE), anerkannter Jurist; stand einem der renommiertesten Advokaturbüros des KantonsBern vor.

4Gemeint sind Giovanni Battista Pioda, ausserordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister der Schweiz in Rom, und Arnold Roth (1836–1904), ausserordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister der Schweiz in Berlin.