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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B2938 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#569*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 278

Josef Zingg an Alfred Escher, Bern, Freitag, 23. März 1877

Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Vereinigte Bundesversammlung, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

SCHWEIZERISCHE
BUNDESKANZLEI.

Bern den 23. März 1877.

Hochverehrter Herr Präsident!

In Erwiderung auf Ihre geschätzte Zuschrift von gestern1 beehre ich mich, Ihnen vorläufig mitzutheilen, daß ich nächsten Montag Vormittags die Generalversammlung der Bank in Luzern präsidiren muß & daher nicht in Bern sein kann. Wenn Ihnen die Gesundheitsverhältniße gestatten, nach Luzern zu kommen, so stehe ich Montags von Mittag an zur Verfügung. Selbstverständlich bin ich gerne bereit auch nach Zürich oder Olten zu kommen, wenn Sie dieß vorziehen sollten.

Wie mir Hr. Präsident Aepli2 mittheilt, wird die Bundesversammlung wahrscheinlich nächsten Mitwoch Morgen, spätestens Donnerstag zu Ende gehen. –

Ich hoffe heute Nachmittag Gelegenheit zu finden, mit Hrn. Dr. Roth3 über den Stand der Gotthardbahnfrage in Berlin einläßliche Rüksprache nehmen zu können.4 Von Hrn. Bundesrath Schenk habe ich vernommen, daß laut dem | letzten schriftlichen Berichte des Hrn. Dr. Roth sich Hr. v. Bulow5 bei der letzten Besprechung noch bestimmter als bisher dahin ausgesprochen habe, daß Deutschland die Unternehmung unter keinen Umständen fallen laßen werde, daß Bismark6 sich sehr lebhaft um die Sache intereßirte & auch der Präsident des Reichskanzleramtes7 günstig gestimmt sei.8 Laut der Mittheilungen des Hrn. von Keudell9 aus Rom dürften hinwieder leicht noch Wochen verstreichen, bis die italienische Regierung zu einem Beschluße komme.10

Mit den herzlichsten Wünschen für baldige Wiederherstellung Ihrer vollen Gesundheit verbleibe ich

Ihr freundschaftlich ergebener

J. Zingg.

HHrn. Präs. Dr. A. Escher in
Zürich.

Kommentareinträge

1Brief nicht ermittelt.

2 Arnold Otto Aepli (1816–1897), Grossrat, Kantonsgerichtspräsident und Nationalratspräsident (SG), Vizepräsident des Verwaltungsrats der Vereinigte Schweizerbahnen; Jugendfreund Eschers.

3 Arnold Roth (1836–1904), ausserordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister der Schweiz in Berlin.

4Roth teilte Joachim Heer schriftlich mit, dass er am 16. März 1877 von Berlin in die Schweiz zurückreisen werde. Vgl. Schreiben Arnold Roth an Joachim Heer, 15. März 1877, in: DDS III, S. 235.

5 Bernhard Ernst von Bülow (1815–1879), Staatsminister ohne Geschäftsbereich des Königreichs Preussen, Staatssekretär des Auswärtigen Amts des Deutschen Reichs.

6 Otto von Bismarck (1815–1898), Ministerpräsident und Aussenminister des Königreichs Preussen, Kanzler des Deutschen Reichs.

7 Karl von Hofmann (1827–1910), Staatsminister ohne Geschäftsbereich des Königreichs Preussen und Präsident des Reichskanzleramts des Deutschen Reichs.

8 Vgl. Schreiben Arnold Roth an Joachim Heer, 15. März 1877, in: DDS III, S. 236; Prot. BR, 19. März 1877.

9 Robert von Keudell (1824–1903), Botschafter des Deutschen Reichs in Rom.

10 Giovanni Battista Pioda meldete dem Bundesrat mit Schreiben vom 11. März 1877, dass «der italienische Minister des Aeußern sich außer Stande erkläre, für die Beantwortung der bundesräthlichen Zuschrift vom 16. Dezember 1876 [...] eine Frist zu bestimmen» . Prot. BR, 14. März 1877. Vgl. Schreiben BR an Luigi Amedeo Melegari, 16. Dezember 1876 (BAR J I.67-6.67).