Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B2936 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#569*

Josef Zingg an Alfred Escher, Bern, Dienstag, 13. März 1877

Schlagwörter: Bundesrat, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB)

Briefe

SCHWEIZERISCHE
BUNDESKANZLEI.

Hochverehrter Herr Präsident!

Mit dem lebhaftesten Bedauern habe ich vernommen, daß zu der vielen Sorge & Arbeit, welche auf Ihnen lasten, nun noch ein empfindliches Leiden getreten ist. Möge dasselbe nicht lange dauern, damit Sie mit ungehemmter Kraft Ihre schweren Aufgaben dem Ziele entgegenführen können! –

Mit Gegenwärtigem übermittle ich Ihnen vorab einen Brief des Hrn. Feer-Herzog, womit derselbe seine telegraphische Verfügung in Betreff der Hinausschiebung des Abnahmetermin's der vierten Obligationenserie bestätigt & damit einige Mittheilungen verbindet, die wesentlich auch für Sie bestimmt sind.

Sodann sende ich Ihnen das mir gestern durch Hrn. Schweizer eingehändigte Schreiben des Bundesrathes vom 9 fl. Mts. wieder zurük, mit der Mittheilung, daß nach meinen Erkundigungen den gestellten Begehren kein| Uebelwollen zu Grunde liegt, sondern der Bundesrath in gutmeinender Absicht über die Grundlagen unsrer Berechnungen nähern Aufschluß zu erhalten wünscht, um seiner Seits ganz orientirt zu sein. Um Detailberechnungen handelt es sich dabei nicht.

Endlich füge ich noch die neueste Correspondenz mit Maraini bei, welche Sie mir zur Einsichtnahme zu übermachen die Gefälligkeit hatten. Ich glaube, daß es sehr am Platze gewesen ist, Hrn. Maraini auf die Schwierigkeiten aufmerksam zu machen, welche mit dem Fallenlaßen einzelner Linien verbunden sind. –

Dem Hrn. Vicepräsidenten des Bundesrathes habe ich in Ihrem Auftrage die Erklärung abgegeben, daß wir gegen die gewünschte Einsichtnahme in die Akten betreffend die Beschwerde Reali's nichts einzuwenden haben.

In Sachen der Verschiebung des Abnahmetermins der IV. Obligationenserie ist von Seite des Bundesrathes noch kein Entscheid gefaßt worden. Die Angelegenheit wurde gestern auf den Kanzleitisch gelegt & wird| wahrscheinlich Morgen behandelt. Wie mir Hr. Schenk sagte, neigt man sich dahin zu erklären, daß die Schlußnahme die bundesräthliche Genehmigung nicht bedürfen. –

Aus Berlin sollen keine neuen Nachrichten eingetroffen sein. –

Indem ich hoffe, Sie bald wieder gesund & wohl hier zu sehen, verbleibe in vorzüglicher Hochachtung

Ihr freundschaftlich ergebener

J. Zingg.

Bern d. 13. März 1877.

HHrn. Präsident Dr. A. Escher in

Zürich