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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B2909 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#186*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 266

Alfred Escher an Josef Zingg, Zürich, Freitag, 2. Februar 1877

Schlagwörter: Bundesrat, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnkonferenzen

Briefe

1 Hochverehrter Herr & Freund!

In Beilage übermittle ich Ihnen ein Antwortstelegramm Maraini's, veranlaßt durch meine zwischen uns verabredete Anfrage an denselben, & die Abschrift einer Stelle aus einem v. 28. Janr datirten Briefe Pioda's an den Bundespräsidenten2, welche mir der letztere zur Einsichtnahme übermittelt hat. Die beiden Schriftstücke quadriren nicht miteinander.3 Im Hinblicke auf das zur Zeit in Italien bestehende Ministerium ist es mir indessen nicht zweifelhaft, daß Maraini mehr weiß als Pioda.4 Ich habe auch Hrn. Bundespräsidenten Heer von der Depesche Maraini's Kenntniß gegeben.5

Im fernern stelle ich Ihnen in der Anlage eine Eingabe zu, welche Hr. Hellwag gestern Abend an mich gelangen ließ. 6 Die Tendenz dieser Eingabe wird Ihnen auf den | ersten Blick klar werden. Ich bin überzeugt davon, wenn ich es auch natürlich nicht beweisen kann, daß die Eingabe sich bereits in den Bureaux der offiziellen Kreise Berlin's befindet. Ich messe der Eingabe eine solche Bedeutung bei, daß ich eine Abschrift derselben Hrn. Heer zugestellt habe7, beifügend, ich sei mit einer Mittheilung derselben an Hrn. Welti & auch an Hrn. Schenk, wenn der Hr. Bundespräsident sich dazu veranlaßt sehe, ganz einverstanden. Ich gedenke nun, künftigen Sontag Vormittag mit den genannten Mitgliedern des Bundesrathes über die Eingabe Hellwag & über anderes Rücksprache zu nehmen & ich möchte Ihnen vorschlagen, dann am Sontag Nachmittag 2½ Uhr in Bern Sitzung der Direction zu halten.8 Wenn Sie damit einverstanden sind – & es scheint mir dieses Arrangement aus verschiedenen Gründen sehr wünschbar – so bitte ich Sie, Hrn. Weber von dieser Sitzungsanberaumung Anzeige zu machen. Wenn Hr. Weber, was ich bezweifle, vorziehen würde, nicht zu dieser Sitzung nach Bern zu kommen, so würden eben wir beide Sitzung halten. Ich werde Kauffmann, der in diesem Augenblicke mit Favre in Göschenen ist, auf Sontag Abend 7 Uhr in den Bernerhof zitiren. Ohne Zweifel ist es zweckmäßig, wenn | wir beide ihn vor der Conferenz vom Montag noch sprechen können. Die Conferenz beginnt, wie Ihnen übrigens zweifelsohne bereits bekannt, Vormittags 9 Uhr. Darf ich Sie bitten, mir, nachdem Sie diese Zeilen gelesen, telegraphisch mitzutheilen, ob Sie mit dem hier vorgeschlagenen Arrangement einig gehen.9

Die Eingabe Hellwag bitte ich Sie auch Hrn. Weber mitzutheilen & sie sodann in die Directionssitzung mitzubringen.

In freundschaftlicher Hochachtung

Ihr

Dr A Escher

Zürich
2 Febr. 1877

Kommentareinträge

1Nachträgliche Adresse oben links auf Seite 1 von Eschers Hand mit Bleistift: «Dir. Zingg, Luzern» .

2 Vgl. Brief Giovanni Battista Pioda an Joachim Heer, 28. Januar 1877 (BAR J I.67-8).

3Während Escher den Inhalt des Telegramms von Maraini als ein «recht erfreulicher» bezeichnete, vermittelte Pioda ein wenig optimistisches Bild über das Fortschreiten der Gotthardfrage im Königreich Italien. Alfred Escher an Joachim Heer, 31. Januar 1877. Vgl. Brief Giovanni Battista Pioda an Joachim Heer, 28. Januar 1877 (BAR J I.67-8).

4Escher schätzte die Beziehung zwischen Agostino Depretis (1813–1887) und Maraini als «sehr nahe » ein. Alfred Escher an Joachim Heer, 31. Januar 1877.

5 Vgl. Alfred Escher an Joachim Heer, 31. Januar 1877.

6 Hellwag sprach sich in der genannten Eingabe gegen jegliche auf Vertragsmodifikation oder finanzielle Unterstützung abzielenden Verhandlungen mit Louis Favre aus. Im Gegenzug empfahl er, das Unternehmen des grossen Gotthardtunnels sofort ausser Akkord zu setzen und den Bau auf Kosten Favres durch die Zentralbauleitung der Gotthardbahn-Gesellschaft fortführen zu lassen. Vgl. Prot. Dir. GB, 4. Februar 1877; Schreiben Konrad Wilhelm Hellwag an Dir. GB, 31. Januar / 1. Februar 1877 (SBB Historic VGB_GB_SBBGB03_010 ).

7 Vgl. Alfred Escher an Joachim Heer, 2. Februar 1877.

8 Vgl. Prot. Dir. GB, 4. Februar 1877.

9 Vgl. Telegramm Josef Zingg an Escher, 2. Februar 1877 (BAR J I.67-8).