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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B2887 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#569*

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Dienstag, 28. November 1876

Schlagwörter: Eisenbahnen Finanzierung, Eisenbahngesellschaften Krise/Rekonstruktion, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnprojekt, Grosser Rat LU, Presse (allgemein), Regierungsrat ZH, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Luzern d. 28. Nov. 1876.

Hochverehrter Herr Präsident!

Seit unsrer gestrigen Verhandlung hat mich die Rechnung über die Kosten der Gotthardbahn, wie sie nach den Beschlüßen der Expertenkommißion aufgestellt werden soll, noch mehrfach beschäftigt. Ich erlaube mir einsweilen zwei Punkte Ihrer geneigten Würdigung zu unterbreiten. Vorab einen mehr formellen:

Wenn ich mich recht erinnere, so sind in den entworfenen Schlußzusammenstellungen u. a. folgende Rubriken aufgeführt: a. Baukosten der noch zu erstellenden Linien mit Inbegriff der Kosten der Bauleitung u. des Fahrparks;
b. Allgemeine Kosten, enthaltend Centralverwaltungskosten, Zinse (Ob auch die Kosten der Capitalbeschaffung? – wäre noch zu untersuchen);
c. Teßinerbahnen, enthaltend die Kosten des eigentl. Baues, Antheil an Capitalbeschaffungskosten, an d. Centralververwaltung, Zinse etc.

Es dürfte sich nun meines Erachtens fragen, ob das Resultat der verificirten Rechnung nicht anders gruppirt werden sollten. 1 Es will mir scheinen, daß verschiedene Gründe dafür sprechen, die Kosten nach den Rubriken unsers | Rechnungsschema's zusammenzustellen, wie es auch in der Rechnung zum generellen Projekte geschehen ist. Man könnte alle Kosten der allg. Verwaltung, sodann diejenigen der Zinse, allfällig in einer besondern Rubrik auch diej. der Bauleitung zusammenziehen & etwa durch zwei Ziffern dabei darlegen, wie viel es bei jeder Rubrik auf die neuen Linien & wie viele auf die Teßinerbahnen trifft. Wenn in der nunmehrigen offiziellen Aufstellung die Teßinerbahnen mit einer Kostensumme von 50 Mill. fs. erscheinen, so ist später hingegen gar nicht mehr aufzukommen. –

Ein zweiter Punkt betrifft die Größe der Reduktionen, welche durch die Weglaßung der einzelnen Linien veranlaßt werden. 2 Es ist klar, daß man zu unrichtigen Ergebnißen kommt, wenn man alle Posten einfach nach den kilometrischen Längen berechnet, beziehungsweise in Abzug bringt. Nicht allein bei den Bauleitungskosten3, sondern auch bei dem Fahrparke4 wird nur ein verhältnißmäßig reduzirter Abzug gerechtfertigt sein & man wird untersuchen müßen, wie man bei der diesfälligen Rechnung verfahren ist. | Ich erlaube mir sodann auf den speziellen Umstand aufmerksam zu machen, daß in den Kosten der Linie ImmenseeLuzern die Kosten der reduzirten Station Immensee mit Ca 230,000 fs. inbegriffen sind, welche Station wohl im gleichen reduzirten Umfange auch bei Weglaßung der Linie ImmenseeLuzern erstellt werden muß. 5 Auch wird bei der Weglaßung der Linie LuganoBellinzona der Fahrpark verhältnißmäßig höher gestellt werden müßen, weil man beim lokalen Betriebe der Streke LuganoChiasso das dortige reichliche Material für das weitere Netz nicht ausnützen kann. – 6

Der herwärtige Große Rath hat, wie Sie aus den Blättern bereits entnommen haben werden, die Zahlung der Gotthardsubvention unter den bekannten Vorbehälten mit großer Mehrheit beschloßen.

Hr. Dr. Segeßer soll eine ganz unverschämte Rede gehalten, Hr. Schnyder dagegen die Zahlung in einer sehr wohlwollenden Weise warm empfohlen haben. –

Hr. Oberst Hammer fragte mich gestern, ob wir nicht auf die Zinse für die verspäteten Einzahlungen verzichten wollten. Ich bemerkte ihn darauf, daß wir | dem Bunde keine bezüglichen Opfer zumuthen, hinwieder auch annehmen, daß er auf den Subventionsgeldern nicht werde lukriren wollen. So viel ich gehört, habe die Regierung v. Zürich von sich aus einen Verzugszins bezahlt; es wäre nun wohl nicht richtig, & mit Rüksicht auf die Zukunft auch kaum rathsam, andere Kantone von der Entrichtung des Verzugszinses zu liberiren. –

Genehmigen Sie bei diesem Anlaße die erneute Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung.

Ihr freundschaftlich ergebener

J. Zingg.

HHrn. Präsident Dr. A. Escher

in

Zürich

Kommentareinträge

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