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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2857 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#186* (Abzug)

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 251

Alfred Escher an Emil Welti, Zürich, Dienstag, 3. Oktober 1876

Schlagwörter: Brennerbahn, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnprojekt, Kommissionen (eidgenössische), Personelle Angelegenheiten, Reisen und Ausflüge, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochverehrter Herr & Freund!

Gemäß einem so eben eintreffenden Briefe1 Hellwag's reisen Schenk & Koller vom Gotthard das Tessin herunter nach Mailand, von dort nach dem Brenner , um den Bau & Betrieb desselben zu studiren (!), dann nach München, um die Ausstellung2 zu besichtigen: am Sontag Abend oder Montag rechnen sie in Bern eintreffen zu können. Hellwag schreibt, Schenk habe ihn «eindringlichst gebeten», ihn zu begleiten, in Folge wessen er sich dazu habe entschließen müssen. Hellwag gibt im Hinblicke auf diese Situation den Auftrag, den | Abschluß des Kostenvoranschlages bis zu seiner Rückkehr liegen zu lassen, da er denselben noch mit einem eingehenden Berichte begleiten wolle!

Ich fühlte mich verpflichtet, Ihnen von diesem Sachverhalte unverweilt Kenntniß zu geben, & enthalte mich jedweder Betrachtung über denselben, die in der That überflüssig wäre.

Wenn Sie nicht energisch eingreifen, so werden die Arbeiten der Bundesräthlichen Expertencommission vor dem Winter nicht zum Abschlusse gelangen.3

Die von der internationalen Commission festgesetzte Subventionsrate beträgt mit Einschluß der Annuität Frs. 8,950,000, wie Ihnen vielleicht schon mitgetheilt worden ist.4 Von Nichtzalenwollen war, wie es scheint, von | keiner Seite die Rede. Hellwag schreibt, die Stimmung in der Commission sei, namentlich Italienischer Seits, keine «liebenswürdige» gewesen.

Kann ich Sie Sontag früh 9 Uhr im Bundesrathhause oder in Ihrer Wohnung besuchen? Wünschen Sie mich früher zu sprechen, so bitte ich um Ihren gefälligen Bericht: ich würde mich dann auf Freitag früh 8 oder auch 7 Uhr einrichten.

Mit herzlichem Gruße

ganz Ihr

Dr A Escher

Zürich
3 October 1876.

Kommentareinträge

Nachträgliche Notiz oben links auf Seite 1 von Eschers Hand mit Bleistift: «H. Bdpräs. Welti» .

1Brief nicht ermittelt.

2In München fand von Mitte Juni bis Mitte Oktober 1876 eine bedeutende Kunst- und Kunstgewerbeausstellung statt, an welcher Werke alter und neuer Meister des gesamten deutschen Sprachraums gezeigt wurden. Vgl. Prot. BR, 11. August 1875; NZZ, 15. Juni 1876, 26. Juli 1876, 27. Juli 1876, 28. Juli 1876, 29. Juli 1876.

3Die abschliessende Plenartagung der schweizerischen Expertenkommission, welche die Finanzlage der Gotthardbahn-Gesellschaft prüfte, fand vom 20. bis am 22. November 1876 statt. Der Bundesrat teilte die Ergebnisse am 16. Dezember 1876 den Regierungen Deutschlands und Italiens mit. Die Rekonstruktion der Gotthardbahn, Absatz 6.

4Die Subventionsrate für das vierte Baujahr in der Höhe von 8 957 308 Franken, die aufgrund der jährlichen Verifikation der Tunnelarbeiten durch Vertreter der drei Subventionsstaaten festgesetzt wurde, lag deutlich unter dem Voranschlag von 13 148 148 Franken, da der Baufortschritt hinter dem Programm zurückblieb. Vgl. Geschäftsbericht GB 1875, S. 5–6; Geschäftsbericht GB 1876, S. 12; Prot. BR, 20. Oktober 1876.